Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-942939
Gefieigerte Größe. 
183 
zugeskimmt. Das war doch klar! Der Maler hatte zu liefern 
und zwar, laut Vereinbarung, eine gute, gediegene Arbeit. 
So entspann sich denn jener befchämende Briefwechfel 
(aber beschämend wahrlich nicht für Dürer), der in der deut- 
schen Kuns?geschichte so viel von sich reden macht. Aber 
so widerwc"irtig dieses ganze Zwischenspiel auch ist, so in höchstem 
Grade peinlich, einen Dürer in der Zwangslage zu sehen, 
sich vor einem Jakob Heller zu rechtfertigen gegen den ver- 
kappten Vorwurf der Erpressung: Heller allein und fein Geiz 
waren es ganz gewiß nicht schuld, wenn Dürer in der qual- 
vollen Arbeit an der Frankfurter Tafel die Lust an großer 
Malerei verlor, um sich danach wieder auf Jahre mit ,,kleineu" 
voIkstiimlichen Aufgaben zu befassen. 
Wir wollen den Zusammenhang aus dem Werke selbst 
zu klären suchen. 
Z. 
Die ,,Krönung der Maria" ist in der Heller-Tafel dar- 
gestellt. Die Legende erzählt, wie der Apostel Thomas nach 
dem Tode der Maria nach Jerusalem kam, ihre Leiche zu 
sehen. Man führt ihn zum Grabe und öffnet den Sarg. 
Aber siehe da, der Sarg ist leer. Thomas will es nicht glauben 
und beugt sich über den Sarkophag, genauer nachzuforsohen. 
Ratlos stehen die anderen umher. Da trifft ihre Augen ein 
blendender Schein. Sie schauen empor, und vor ihren ver- 
zückten Blicken vollzieht sich ein Wunder. Von Engeln ge- 
tragen schwebt Maria gen Himmel, wo Gottvater und 
Christus ihrer harren, sie mit der Krone des Lebens zu 
krönen. 
Das seltsame Bild hat eine äußere, und hat eine innere 
Geschichte. Tragisoh sind beide, aber nur die äußere Traaik 
wird gemeinhin begriffen. 
O
        

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