Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-942872
 Gcp?eigcrtc Größe. 
I. 
Als Dürer 1494 in die Heimat zurückkam, da fand er 
ein anderes Nürnberg vor. Nun, zwölf Jahre später bekam 
Nürnberg einen anderen Dürer zurück. Das war noch das 
Mindesie, daß er ein wohlhabender Mann geworden war, 
daß er jetzt seine Schulden abzahlen und das elterliche Haus 
von der letzten Last befreien konnte. Entscheidend war die 
innere Wandlung. Als Dürer auf Gesellenfahrt war, hatte 
die Vaterstadt ihn überholt, kraft jenes freien Geistes, den 
der Humanismus gab. Jetzt war es umgekehrt. Ohne Ver- 
mittler hatte er sich aneignen können, was draußen in der 
Welt an neuen Gedanken umging. Nun war ihm offenbar 
geworden, was eigentlich die neue Welt emportrug, und was 
die Schwärmer für das Antikische in den neunziger Jahren 
nur hatten ahnen können. Über ein Jahr lang hatte er sich 
in der vornehmen Gesellschaft bewegt, deren lässig sichere 
F2errenart den Deutschen so viel Eindruck machte. 
Er hatte Sinn bekommen für das, was den Gentilu- 
omini als schicklich galt; so viel Sinn, daß sie ihn für einen 
der Ihrigen nahmen und Wert darauf legten, ihn dazube- 
halten. Seine Nürnberger Freunde mochten spotten über 
feinen welschen Mantel und französischen Rock, vielleicht 
Auch über manche seiner neuen Angewohnheiten. Eins aber 
spotteten sie ihm nicht weg: seinen neuen Künstlerblick, seine 
Fähigkeit, die Dinge auf italisch zu sehen, groß, gemessen, 
VUhig, und mit Bewußtsein sich verschließend gegen alles 
12
        

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