Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-942698
9. Venedig. 
I. 
Hinter uns versinkt die deutsche Stadt mit Berg und 
Burg, mit Giebeln und Türmen; vor uns ersieht  nein: 
breitet Ich aus Venedig. Die Stadt des Nordens war 
gebaut, hier diese ist gehöhlt. Wir kennen die andere 
Wesensart des Südens, und was sie bedingt hat. Auch in 
den engsten, oerbautesten Gassen der alten deutschen Stadt ist 
jedes Haus für sich wie aus einer eigenen ihm innewohnenden 
Kraft emporgetrieben. Hier aber scheinen die Straßen aus- 
gehöhlt aus der nämlichen Steinschicht und hinterher erst 
durchsei3t mit den Schächten ihrer Höfe und den Stollen 
ihrer Wohnanlagen. Kuppeln wölben sich über der endlosen 
Steinmasse. Zu stolzer Höhe steigen ihrer einige empor, 
doch auch sie beharren in der erdenschweren, gesättigten Ruhe 
der gesamten Siedelung. 
Wir treiben auf gleitender Gondel durch die schweigenden 
Kanäle, die Werke im einzelnen zu sehen. Ein wirres Neben- 
einander verschiedenster Formen scheint mancherlei Zungen 
zu sprechen, und es ist doch stets die gleiche Sprache. Handel 
und Reichtum haben Venedig werden lassen. Die Bogen- 
halten des Erdgeschosses sind dem Wasser zugewendet, stets 
gewärtig, entgegenzunehmen, was die Schisfe ihnen an 
Frachten zuführen. Darüber gelagert die Wohngeschosse. 
Buntes Marmorwerk sucht die starren Flächen zu beleben, 
aber alle Farbenpracht des fernen Ostens vermag ihnen doch 
keine Gliederung zu geben. Das Nahmenwerk der Türen
        

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