Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-942641
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Nicht ohne Bitterkeit empsinden wir die allgemeine Be- 
wunderung in deutschen Landen für den Mann, der im 
Frühjahr 15o0 stolz zu Roß in Nürnberg einritt, wenn wir 
sie der geringen Schäizung"vergleichen, die einem Albrecht 
Dürer noch auf viele Jahre hinaus genug sein mußte. Was 
war ein deutscher Künstler für die deutschen Fürsten und 
das deutsche Bürgertum! Ein 8unftgenosTe wie ein be- 
liebiger Handwerker sonst. In Nürnberg wollte man ihm 
nicht einmal die Rechte des geordneten Innungswesens zu- 
gestehen. Als ein Scharfrichter einst sich nebenamtlich aufs 
Malen verlegte und die Maler von Beruf darüber klagbar 
wurden, da war es der Bescheid des Rates, der Henker 
dürfe malen so gut wie jeder andere, denn das Malen sei 
eine freie Kunst. Wir heute, einem wirklich freien Staate 
eingeordnet, würden das Urteil als gerecht hinnehmen. 
Damals war es offenbarer Hohn. Die Freiheit, wie der 
Hohe Rat sie für die Künstler meinte, war kaum mehr als 
die Vogelfreiheit der Spielleute; ein Ding, das hart an Ehr- 
losigkeit streifte. Kann man es den Malerschulen übelnehmen, 
wenn sie drauflos handwerkerten und ihr künstlerisches Ge- 
wissen vom Geld abhängig machten? 
Das ist wahrlich nicht das kleinste Verdienst des Albrecht 
Dürer, daß er durch seine unbesiechliche Gesinnung und seinen 
unbeugsamen künstlerischen Ernst der Malerei und damit 
auch den Malern in Deutschland langsam eine neue Wertung 
schuf. Nicht durch Blenderei und andere Jacobomittel hat 
er erreicht, was seither alle deutschen Künstler als ein Wiegen- 
geschenk genießen können, sondern durch eine redliche und 
treue Arbeit, die der Sache um der Sache willen alle Kraft 
hingibt.   
Man hat es ihm schwer gemacht. Wohl war die Heirat 
mit ihren zweihundert Gulden Mitgift eine gute Grundlage,
        

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