Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-942523
8. Der Malergcnti(uomo. 
I. 
Eine merkwürdige Gesialt taucht zu Beginn des neuen 
Jahrhunderts in Dürers Leben auf: Jacobo dei Barbari. 
Rächst Mantegna hat kein Jtaliener Dürer innerlich so viel 
zu schaffen gemacht wie dieser blendende Glücksritter der 
Kunst. Größere Gegensätze als Mantegna und Bat-bari 
kennt selbst die Renaissance nicht. Dort ein ernst vor sich 
hinschassender, bis zur Leidenschaft sachlicher"Kiinstler; hier 
ein ewig wandelbarer Geist, unfähig seiner Zeit zu gebieten, 
stets willig, sich ,,von den Ereignissen schaukeln" zu lassen. 
Ohne weiteres versteht man, daß Mantegna für Dürer 
etwas war. Der Einfluß Barbaris aber scheint ein Rätsel. 
Man kann es nicht fassen, daß Dürers scharfes Kiinstlerauge 
eine oberflächliche Natur und einen Anempfinder wie diesen 
nicht durchschaute. Allein Dürer ist ihm gegenüber blind 
gewesen. Es gab Zeiten, in denen er sich der Einwirkung 
entzog. Fast höhnisch gedenkt er seiner in Venedig. Dann 
aber faßt es ihn doch wieder, und noch am Schlusse seines 
Lebens ist er im Ungewissen, ob nicht doch mit diesem rätsel- 
haften Jtaliener ein großes Geheimnis aus der Welt ge- 
gangen sei. 
Eine solche -Macht eines wenig überlegenen Geistes 
über einen unserer Ersten will erklärt sein. Die Kunst- und 
die Kiinsilergeschichte reichen zur Erklärung nicht aus, wir 
müssen die Dinge schon in einen größeren kulturgeschichtlichen 
Zusammenhang bringen.
        

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