Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-942488
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Kirche und Welt. 
Aus dem Grisfelkunstwerk ließen sich noch verschiedene 
Blätter nennen, die Dürers Marienliebe zu dieser Zeit 
ebenso beredt zum Ausdruck bringen, wie die Fortschritte 
seiner Kunst aus dieser Stimmung heraus. Das schönste 
unter ihnen ist ein- kleiner Kupferstich von 15o3: Maria in 
einem Heckenwinkel, wie sie das Kind fängt. Ein Stückchen 
Rasen, ein paar dürftige Latten mit Rankengewc"ichs, ein 
Vögelahen drauf, vorne Mutter und Kind, das iß alles, 
und doch  das ganze Deutschland! 
Doch die Verinnerlichung .Diirers in jenen Jahren, 
durch jene Jahre drang tiefer noch ein. Er bekam einen 
seherischen Blick nicht nur für die kleine Welt um ihn her, 
das Wohnskubenglück, dessen er selbst nicht teilhaft werden 
sollte: auch die Welt des Kleinsten ward ihm nun erschlossen. 
Jedes Tier, jede Pflanze, ja jeder Stoff gab sich ihm als 
ein Besonderes, als ein Wort der Schöpfung, dessen Sinn 
er zu erfassen trachtete. Das nun isk.ein ganzer Abschnitt 
deutscher Kunsigeschichte für sich. 
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Die Wiener Albertina bewahrt ein Blatt, in dem beides, 
Mensohliches und Tierisohes ineinander geht wie in alt- 
germanischen Tier- und Pflanzenfabeln. Es is? die Farben- 
zeichnung der ,,Maria mit den vielen Tieren'-.  Von einem 
Stück Marienlebens sprachen wir, das die heilige Familie 
in jeglicher Umgebung um sich beisammen haben wollte. 
Hier is? es noch mehr. Eine ganze Arche Noah, mit aller 
Kreatur besrachtet, scheint ausgeladen auf einer selig ein- 
samen Jnsel. Vögel und Insekten, vom Sohwan bis zur 
Libelle, Blumen von der Sohwertlilie bis zum Nasenblümchen, 
ein Uhu in einer Baumsiumpfruine, ein Fuchs an der Leine, 
ein schnatternder Papagei, die ganze Naturgeschichte ist da.
        

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