Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-942243
114 Kirche und Welt. 
Geücht schon der jüngere Künstler gehabt haben muß. Mit 
den neuen Blättern bekommt das ganze Werk ein solches 
1"J.bergewicht für die Zeit Von x498 bie 15oo, daß es in diesem 
Zusammenhang behandelt werden muß. 
Was hat Albrecht Dürer gehinderte, schon damals das 
Werk zu Ende zu führen? Kurz gesagt: das Marienleben, die 
reinere und siillere Empfindung, zu der es sich in seinem 
Innern klärte. Sie machte ihm das laute Wesen der großen 
Passion zu fremd, er konnte sich fürs erste nicht länger, wie 
Goethe sagen würde, im Innern dieses Gegenstandes auf- 
halten. 
Von den beiden ersten Blättern ,,Abendmahl" und 
,,Ehristus am ;5lberg" ist jenes aus der späteren Zeit (151o), 
dieses aus der früheren (um 1498). Die formalen Unter- 
schiede sind aufdringlich klar. Schon der Heiligenschein, dort 
wirklich strahlend, hier noch in der herkömmlichen Weise durch 
eingeseizte Stacheln gegeben, spricht von der langen Ent- 
wicklung zwischen den Werken. Er ist bezeichnend auch für 
das andere. Das Gestrüpp der Linien hat sich gelichtet zu 
einer planvoll übersichtlichen Anlage. Trotzdem: es ist doch 
auch viel künstlich Ausgerechnetes später dabei, das uns kühl 
läßt; Die schöne Geste des Jüngers zur Rechten des Herrn 
ist die des italienischen Gentiluomo; man glaubt sie einfach 
nicht dem nordisch -treuherzigen Bauerngesicht. Der Wein- 
schenk ist nur bei seiner kleinen Sache, Judas ihm gegenüber 
hockt zu drei .Vierteln Modell. Dürer hatte eben 151o, mit 
dem Kirchlichen schon mehr in sich einig, mit anderen Wider- 
ständen fertig zu werden, und so sieht das Abendmahlsbild 
in der Folge doch als ein Fremdkörper da. ,,Ehristus am 
Olberg" ist als Formkunstwerk im Vergleich nur unbeholfen, 
und es spricht doch so viel inniger zu uns, wie der Verlasfene, 
in den düsteren Bergwald siarrend, das Urteil des Kelches 
empfängt. In der ersten Verwirrung erhebt er die Hände
        

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