Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-942219
7. Kirche und Welt. 
1. 
,,Die Kunsi des Malens wird gebraucht im Dienst der- 
Kirche und dardurch angezeigt das Leben Christi und viel 
anderer guter Ebenbilder; behält auch die Gesialt der Men- 
schen nach ihrem Absierben." 
Dürer selbst hat die großen Gegensätze seines Schaffens 
auf diese knappe Formel gebracht. Im Dienst der Kirche und 
im Dienst der Welt, Gotik und Renaissance, beides regte 
ßch in ihm. Es isi ihm später geglückt, das Auseinander- 
sirebende in eins zu fassen und aus der gesammelten Kraft 
heraus Werke zu schaffen, die wir als vollendet fühlen. In 
seiner Jugend aber geht beides nebeneinander her, fast ohne 
Fühlung. Daß die ,,F2eren" und die anderen aufs Huma- 
nistis ehe gesiimmten Bilder vom selben Künsiler in der gleichen 
Zeit geschaffen werden konnten wie die ,,Apokalypse", das ist, 
wenn man sich nacheinander in beides recht versenkt, wie ein 
unbegreifliches Naturspiel. 
Jn dem vor uns liegenden Lebensabschnitt Dürers 
wiederholt es sich. Wir haben gegen das Ende dieser Zeit 
zwei bezifferte Kupfersiiche, ,,Weihnachten" und ,,Adam und 
Eva". Die Blätter sind sich so weltenfremd wie ,,der Traum 
des Doktors" und die apokal1)ptischen Reiter. Und doch is? 
eines wie das andere so bis ins Letzte gefühlt, daß jeder Ge- 
fOhiOhtsscl)reiber, wäre vom Menschen Dürer nichts bekannt 
und von den genannten Blättern nur so viel, daß sie in Nürn- 
berg im Jahre 15o4 gesiochen wurden, zu dem zwingenden-
        

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