Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-942165
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-Die neue Zeit. 
als geflügeltes Weib Fortuna selbst, oder auch Nemesis, wie 
Dürer warnend sie nennt. Beides führt sie in Händen, den 
Zügel für Ungeduld und Übermut, den kostbaren Kelch für 
den Begnadeten, dem sie entgegenlächelt. ,,Frena manu 
pateramque gerit--, den Zügel hält sie und die Schale, so 
lasen es Dürer die Freunde vor aus dem Polizian. 
In keinem anderen Stich hat Dürer sich genauer an das 
von der Natur Gegebene gehalten. Als Regel hat er später ein- 
mal ausgesprochen: ,,Aus viel mancherlei Menschen mag durch 
Versiendige was Guts zusammengelesen werden durch alle 
Teil der Glieder; dann selten find man ein Menschen, der da 
alle Gliedmaß gut hat, dann ein jedlicher hat sein Mangel." 
Ein getibter Kiinsiler dürfe ,,nit zu einem jeglichen Bild 
lebendige Bilder abnehmen, dann er gießt genugsam herauß, 
was er lang Zeit von außen hereingesammelthat." Im Gegen- 
saß zu solcher Regel schafft er beim Fortunablatt nicht aus 
der Erinnerung, sondern der Anschauung, nach dem ,,leben- 
digen Bild". Nichts wird frei abgeändert; die Rechte nicht, 
die beim Modellsiehen wahrscheinlich überhaupt nichts hielt 
i(den Pokal könnte sie keinesfalls so sassen), und nicht die 
Füße, die auf einer platten Diele standen und der Kugel- 
rundung sich nun nicht anschmiegen wollen. Es ist, als ob 
"Dürer sich vor der Natur zu retten suchte vor einer bloßen 
Mache, die ihm die Eingewöhnung in die Linie Mantegnas 
auszwingen konnte. Er mußte wieder einmal ,,von außen 
hereinsammeln". 
4. 
Das Fortnnablatt enthält noch etwas, das den Forsohern 
viel zu denken und zu sagen gab; das ist die Landsohaft im 
Halbdämmer unten. Es if? (duroh F;kindke) fefigeskelIt worden, 
daß die L5rtlichkeit getreu bis ins Letzte das -füdtirolische 
.Klausen wiedergibt. Dürer kann die Gegend im Skizzenbuch
        

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