Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Holbein und seine Zeit
Person:
Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-939216
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3583107
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Holbeins Reisen in königlichen! Auftrag. 
Xl1I. 
ganz von vorn gesehen. Er trägt ein rothes Sa1nmetröckchen mit goldnen 
Schnüren besetzt, die Aer1nel sind ganz von Goldstoff. Ein rother Hut 
mit schöner Straußenfeder geschmückt und unter dem Kinn festgebunden, 
sitzt über dem eng anschließenden Häubchen, das den Kopf bedeckt. Das 
zart gemalte, dünne, blonde Haar kommt darunter vor nnd ist in die 
Stirne gekämmt. Vollendet ist namentlich die Malerei der fetten Hündchen, 
in denen die kleinsten Falten der- Haut treu gegeben sind, und von denen 
die rechte eine Kinderklapper hält. Zur schönen Farbe des Anzugs und 
dem zartröthlichen Ton des Gesichtes ist der lichte, himntelblaue Grund mit 
großer Feinheit gestimmt. In anmuthiger Naivetät und feinster Natur- 
Wahrheit ist hier das Kinderleben aufgefaßt. Unten aber stehen einige 
Lateinische Verse F) des Dichters und Diplomaten Sir Richard Morysin 
(gest. 1556), die den Kleinen ermahnen, dem Vater nachzuschlagen. Ueber- 
treffen könne er ihn nicht, er solle ihm nur gleichkommen, dann sei das 
höchste Ziel menschlicher Wünsche erreicht. Morysin hielt es für vortheilhaft, 
seinen Autornamen unter die Verse zu schreiben, Holbein aber fand es nicht 
für nöthig an sich selbst zu erinnern. Seit 1533 ist uns, mit Ausnahme 
seines eignen Porträts, kaum now ein mit ")iamen oder Monogramm be- 
zeichnetes Gemälde bekannt. Es liegt etwas Großartiges in dieser Sicher- 
heit des Künstlers, daß seine Schöpfnngen schon an sich kenntlich seien, 
ohne äußere Beglaubigung. 
Eine treffliche alte Copie des Bildes in Hannover besitzt der Earl of 
Yarborough zu London  Die Originalstudie zum Kopf des Knaben ist 
in der Windsor-Sammlung. Ziemlich gleichzeitig, höchstens wenige Monate 
später muß ein etwas größeres Bild des Knaben zu Sionhous e bei London, 
dem Schloß des Her-zogs von Northumberland, entstanden sein, ans welchem 
noch dieselbe Studie dem Gesicht zu Grunde gelegt istV). Durch Pagen 
hat es vielfach gelitten, so daß die Ausführung uns nicht in dem Maße 
wie das Bild in Hannover entzückt, aber es ist ebenfalls vortrefflich, die 
Hände, etwas Verändert in der Haltung nnd ohne die Klapper, sind aus- 
gezeichnet gemalt. Der Knabe steht in ganzer Figur da, wie auf dem 
I) Vgl. Verz. d. Werke, Hannover. 
 Früher in der Arundel-Sammlung und von Wenzel Hollar gestochen.  Ueber 
Pyrträte des Prinzen giebt die treffliche Schrift Vol! Mr. J. G. Nichols, A C-1ta1c)gue 
of the Port:-alt-S of l(jng Edwak(1 the sjxt11, l858, Auskunft. 
M) Friiher dem Mabufe zngefch1-iebe11, bis Waage11 zuerst den richtigen Urheber 
nannte.
        

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