Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Holbein und seine Zeit
Person:
Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-939216
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3579508
Die .tHladonna von -Solott)urn, 
ein neu aufgefnndenes Hauptwerk HvldeiI1Z- 
Heutzutage darf man es fast wie ein Wunder begrüßen, wenn ein völlig 
unbekanntes Meisterwerk ersten Ranges von der Hand eines der größten Künstler 
des sechzehnten Jahrhunderts neu auf den Schauplatz tritt. Lange verschollen und 
der Kunstgeschichte gänzlich unbekannt, ist ein Hauptwerk Holbeins kürzlich der 
Welt zurückgegeben worden, das jetzt, trefflich restaurirt, eine der ersten Stellen 
unter Allem einnimmt, was wir von dem Meister besitzen. Wir können das Ge- 
mälde, von dessen Existenz man nichts ahnte, und das jetzt allen Freunden der 
Kunst wie ein unerwartetes Geschenk konnnt, als eine Art von Ersatz, ansehen für 
so zahlreiche Schöpfungen des Meisters, die in früheren Zeiten über Alles ge- 
priesen wurden, jetzt aber untergegangen sind. 
Ein knnstliebender Bürger von Solothurn, Herr Zetter, hat das Verdienst- 
dies Bild, als es sich in verwahrlostem und unscheinbaren! Zustande befand, schon 
vor Jahren erkannt, an sich gebracht und dadurch gerettet zu haben. Ende 1865 
vertraute er es zur Herstellung, deren es dringend bedürftig war, den besten 
Händen die er dafür finden konnte, denen des Conservators der Augsburger 
Gal1erie, Herrn A. Eigner, an, der schon so zahlreiche Werke Holbeins trefflich und 
treu restaurirt hat, unter andern in den letzten Jahren den heiligen Sebastian in 
München und das Abendmahl auf Holz sowie das Bildnis; An1erbachs im Baseler 
Museum. Das gefährliche, aber durchaus nöthige Verfahren, das Gemälde von 
der alten wnrn1zerfressenen Holztafel zu lösen nnd neu zu fonrnieren, wurde mit 
Erfolg und Glück angewendet. Im Herbst 1866 sah ich es, nachdem es gereinigt, 
aber noch nicht reftaurirt war, zu Augsburg. Daß der hierauf folgenden Restau-  
ration, die glücklicherweise nur mechanische Befchädigungen zuzudecken hatte, die 
höchste Anerkennung gebührt, melden die iibereinstin1n1enden Urtheile aller Kun- 
digen und lehrt sogar schon, bis auf einen gewissen Grad, die Photographie. Mit 
hingebender Liebe nnterzog Herr Eiguer, durch seine Ateliergenossen die Herren 
E. von Haber und A. Sesar trefflich unterstützt, sich dieser Aufgabe. Her ver- 
ehrte Mann möge es ncir verzeihen, wenn ich für den Geist, in welchem die AVbelt 
durchgeführt ward, seine eigenen Worte in einem Briefe vom 3. October, wElc)EV 
mir die Vollendung der Restac1ration anzeigte, reden lassen will: 
,,Endlich nach großen Wehen und Mühen bis! UT) Doch zUm Ende AUGUST- 
Holbeins Bild, die Solothurner Madonna, steht vollendet da und erwartet den 
reichgefchnittenen goldenen Rahmen vom Meister Radspieler in Miinchen in den
        

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