Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Holbein und seine Zeit
Person:
Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-939202
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3792931
Das Madonnenl-ild im Maxi1nilianstnusentn. 59 
im Maxi1niliansmuseum in Angsburg befindlich. Passavant, der 
zuerst über dies Bild schrieb, hatte es nicht einmal selbst gesehen, sondern 
sprach darüber nur nach den Mittheilungen des C-igenthümers. Nach dessen 
Angaben soll es ursprünglich von der Familie Fugger in die St. Annen- 
kirche gestiftet, beim Eintritt der Reformation aber zuriickgezogen und in 
den Besitz des Jesuitenordens gelangt sein, der es in der Schloßkapelle 
seines So1nmersitzes Mergenthan bewahrte, bis es später mit Gut und 
Schloß in die Hände des Herrn Samm überging. Es stellt die heilige 
Jungfrau mit dein Kinde vor, die an einer Mauer aus der Rasenbank 
sitzt( In der Composition erinnert diese Darstellung ganz an Schongauers 
Madonua im Rosengarten, die zwar nicht gerade copirt, aber als Vorbild 
benutzt ist. Mit Schongauer stimmt auch Marias Gesichtsbildung, ihre 
hohe Stirn, die anffällige Magerkeit in ihren Händen und im Körper des 
Kindes überein, welches in der niederhängenden Linken zwei Erdbeeren hält, 
mit der Rechten den Hals der Mutter umschlingt nnd in ihr blondes, 
lang herabwallendes Haar greift. Maria trägt einen rothen Mantel nnd 
ein blaues Kleid mit Pelzbesatz. Die Verhältnisse der Gestalten sind über- 
lebensgroß, wie bei dem Bilde zu Colmar. Was aber mit diesem nicht 
iibereinstimmt, ist der Ausdruck in beiden Köpfen, der nicht über das Ge- 
wöhnliche hinausgeht. Auch keine Rosenhecke, durch welche der Goldgrund 
strahlt, bildet den Hintergrund. An deren Stelle ist eine Landschaft mit 
Bergen, Bäumen, Felspartieen nnd dem blauen Himmel darüber getreten. 
Wanderer ziehen auf den Straßen hin, eine Ortschast mit Kirche liegt an 
einem Gewässer, ein befestigtes Schloß erhebt sich von einer Insel, zu der 
eine Brücke führt. Vögel sit;-en aus der Mauer; Blumen Von mancherlei 
Art mit Schtnetterlingen erblicken wir"i1n Vordergrnnde. Links an der 
Mauer, zum Theil von Blättern überhangen, steht in beinahe zollgroßen 
G-sldbuchstaben die bei der Rest-auration zum Vorschein gekommene Inschrift: 
IlANs   
G. AK-) 
l. 4. 5. 9. 
Ein Hans Holbein, der schon 1459 gemalt hat, kann allerdings nicht 
wohl Holbein der Vater sein, dessen T"hätigkeit erst mehrere Jahrzehnte 
später beginnt.  
 Civis A11gusts.nus.
        

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