Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Holbein und seine Zeit
Person:
Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-939202
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3794727
lx. Holbei11 in Luzer11. 
Alles Beispiele großartiger antiker"Gesinnuug. Das erste ist die Erzählung 
vom Schulmeister von Falerii, welcher die ihm anvertrauten Kinder 
in das Lager des Camillus geführt hatte, doch von diesem, der so ver- 
brecherische Mittel verfchmähte, zuriickgewiesen ward H. Wir sehen den 
Schnl1ueister, wie er mit gebundenen Händen den Knaben, die er verrathen 
wollte, ausgeliefert ist nnd wie sie ihn mit Ruthen nach Falerii zurück- 
peitschen. Darauf erblicken wir eine Frau, die vor den Richtern stehend 
sich der Aussage weigert und mit der Hand nach dem Munde weist, als 
wolle sie zeigen, daß ihr die Zunge fehlt. Es ist Leäna, die Geliebte 
der Thrannen1uörder Har1nodios 1md Aristogeiton, die sich durch die größten 
Martern nicht zum Zeugniß wider sie verleiten ließ, und welcher dann die 
Athener, da sie diese That ehren und doch keiner Buhlerin eine Statue 
setzen wollten, in Anspielung auf ihren Namen unter dem Sinnbild einer 
zungenlosen Löwin ein Denkmal errichteten""). Die Geschichte ist im 
Bilde offenbar so gewendet, daß sie sieh selbst die Zunge abgebisfen hat, 
um nichts verrathen zu müssen. Es folgt Mucius Scävola, der, von 
Landsknechten umgeben, die Hand in, das Feuer hält; im Hintergrund der- 
selbe noch einmal, wie er den Schreiber des Porsenna, den er für den 
König selbst hält, durchbohrt. Dann sehen wir L-ucretia, die, vor ihrem 
Gatten knieend, sich ersucht. Endlich Marcns Curtius, der zum frei- 
willigen Opsertod "in den Abgrund springt. Diese drei letzten Scenen 
kommen ganz ähnlich auf bekannten Buchtiteln vor, die nach Holbeins 
Zeichnung in Holz geschnitten sind. 
Noch haben wir aber die Hauptdarstellung des Ganzen unerwähnt 
gelassen, ein großes Feld, das, bei entsprechender Breite, vom Fenster- 
schluß des zweiten Stockwerkes bis nahe an den des dritten geht, wo es 
unter dem mittelsten Bilde des Triumphzuges seinen Abschluß findet. 
Dieses Centrum der Fassade ist am bedeutsamsten hervorgehoben, auch in 
architektonischer Hinsicht: hier baut sich eine pompöse Kuppelhalle auf, 
hinten mit Nischen, vorn sich öffnend, mit Säulen, die durch eine Balustrade 
verbunden sind. Diese Anordnung giebt dem Ganzen einen leichten, luf- 
tigen Charakter und hebt den unerfreulichen, schweren Eindruck aus, der 
sonst dadurch entstanden sein müßte, daß hier über dem Mittelfenster des 
zweiten Geschosses eine breite kahle Wandfläche bis oben hinansteigt. Mit 
seltenen: Geschick bewegen sich die agirenden Personen so, daß sie durch 
 Livius v. 27.  Paus-miug 1. 23. Plinius xxx1v. i-.
        

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