Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Holbein und seine Zeit
Person:
Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-939202
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3794596
3eichnnngen von Urs Graf. 
sie es aber hier in sol6he1n Grade werden läßt, ist die Eigenschaft, die wir 
sTh011 hervvrhoben- die Kraft, mit der sie auftritt nnd regiert. Durch 
diese Kraft zeigt sich iirs Graf so recht als den Sohn seiner Zeit, 
welche er sogar in seinen kleinsten, gleichgiiltigsten Leistungen verkündet. 
Von dem, was wir als Baseler Volkscharakter um diese Zeit kennen ge- 
lernt, vertritt er eine Seite, aber diese wunderbar glänzend und gewaltig: 
die sinnliche Neigung, Frische nnd Energie. Die offenbart sich bei ihm 
oft im lecken Spiel, oft in absonderlicher Träiunerei, oft in heftiger Lei- 
denschaft, stets aber derb, kühn nnd gesund, stets-im höchsten Grade Volks- 
thiimlich, stets so, daß man überzeugt ist, nach dieser Richtung hin könne 
es kaum etwas geben, das über seine Schöpsungen hinansgehe. 
Bei solchem CharakterHist es ganz natürlich, daß er sich in religiösen 
Darstellungen weder gern noch mit Glück bewegt. Gläubiger Ernst und 
warmes Gefühl, wie sie dazu nöthig wären, gehen ihm ganz ab. Hie und 
da gelingt ihm einmalXeine Gott-Vater-Gestalt, derb aber gewaltig,. 
wie auf dem seltenen VotiV-Holzschnitt, den wir Seite 158 genannt, ode? 
ans einer Zeichnung im Baseler Museu1nY), in welcher der AllmäOhtige 
über Wolken in der Glorie thront, mit kolossalen: Bart, in kaiserlicher 
Tracht. Solch ein schnurrbärtiger heiliger Sebastian aber, wie er ihn 
einmal 3eichnet"), nimmt sich höchst sonderbar ans. Jn Christi Ge- 
sangennehm1mg, im Drachenkamps des heiligen Georg giebt er sogar 
vollkommene Carricaturen; auch Simson, der lachend dem Löwen 
seinen Rachen aufreißt, ist nichts Anderes, nur daß es hier ein wenig 
erträglicher wirkt. -Manchmal möchte man sogar absichtliche Carricatnreu 
in solchen Darstellungen vermuthen, wie bei einer colorirten heiligen 
Familie, auf welcher das Kind nach einem Vogel hascht, vom Jahre 1521. 
Diese nimmt sich aus, als ob irgend ein Jtalienisches Bild desselben Gegen- 
standes hätte persiflirt werden sollen. Dann kommt vom Jahre 1528 eine 
Skizze vor, worauf an einer Sänle ein nacktes gefesseltes Frauenzimmer- 
die Von sechs K:-iegsgesellen an den Haaren gezogen, mit Geißeln und 
Ruthen gepeitscht wird. Ich möchte das für eine Satire aus irgend eine 
heilige "Marterscene oder aus solche Darstellungen überhaupt halten, was 
um so glaublicher ist, da gerade dieses Blatt schon in den späteren Ver- 
lauf der Neformationszeit fällt. Noch deutlicher treibt 1lrs Graf in einer 
 Saal der Handzeici;1umgen Nr. 107.  Bask-.leF Museum Band U. X. Hier 
auch die meisten der im Folgenden ge-na11ntenBlntker: einiges (11Id) in c. I. und l".1X.
        

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