Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Holbein und seine Zeit
Person:
Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-939202
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3794375
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vI1. Uebersiedelung nach Basel. 
Sigmund. 
An1brvsius. 
Nach Mechels Angabe, die durch das Doppelbildniß der beiden Brüder 
in Berlin bestätigt wird, ist Ambrosius 1484 geboren und elf Jahre älter 
als der jüngste Bruder Hans. Von ihm finden siih in Basel einige Bil- 
der und Zeichnungen.  Daß er kein sehr erfindender Künstler war, zeigt 
eines seiner "drei kleinen Gemälde.  Ein kriitzgäter Christus in wolchen 
Albrecht Dürers nachgemacht durch Ambr()ss H01i)ein sambt Got den 
Vater vnd vil engeln, mit olfarben vf holz"  so wird es im Amer- 
bachischen Jnventark) genannt. Ein Gekreuzigter ist es indeß nicht, son- 
dern der bekannte leidende Heiland vom Titelblatt zu Dürers großer 
Holzschnitt - Passion, wie er"entblößt, mit den Wundmalen, die Schenkel 
übereinandergeschlagen und die Hände zusammengepreßt, dasitzt in Schmerz 
und Verspottnng. Diese ergreifendste Christusgestalt, welche Diirer jemals 
ersonnen hat, ist von A1nbrosius nicht glücklich benutzt und verwendet wor- 
den. Statt aus dem Steine sitzend vor dem höhnenden Kriegsknecht, 
sehen wir ihn über Wolken; sein Sitz ist ein Regenbogen, sein Schemel 
die Weltkugel, ein zarter Schleier bedeckt ihn statt des Lendentnches. 
Fiirbitte soll hier seine Stellung aussprechen, denn oben, in einer Glorie 
von Chernbimköpfen, erscheint Gott Vater, der segnend niederbli(kt, und 
von unzähligen Engeln mit den Marterwerkzengen ist der ganze Himmel 
bevölkern  
Ambrosius hat Diirers herrliches Blatt nicht verstanden, sonst hätte 
er die Hanptperson nicht so verwendet, wie sie sich nicht verwenden läßt, 
ohne dem großartigen Gedanken, der sie beseelt und allein erklärt, Gewalt 
anzuthun. Aber nicht nur im Grundgedanken, auch in der ganzen Durch- 
führung ist seine Nachahmung eine schwache; wie tief bleibt diese Gestalt 
in der Zeichnung hinter Diirers Energie zurück! Auch die Farbe, wenn- 
gleich die Behandlung sorglich und zart ist, scheint trüb und matt, sobald 
man an die Klarheit, Wärme und Lebendigkeit des Colorits beim Vater 
und Bruder denkt. 
 Besser nnd gefälliger tritt Ambrosius Holbein im Bildniß auf. ,,Zwei 
Knäblein in gelben Kleider-n," die ihm das Inventar zuschreibt, sind unge- 
gemein ansprechend"). Mag aber der kindlich-liebenswürdige Ausdruck uns 
noch so sehr anziehen, so können wir nicht übersehen, daß die beiden klei- 
nen Gesichter keine große Dnrchbildnng in der Form zeigen und sich etwas 
 Siehe den Abdruck i:i Beilage v. 
 Ho1beinsaal Nr. :ss, :39. 
 Das Bild trägt im Holbeinsaal die Nr. 37.
        

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