Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Holbein und seine Zeit
Person:
Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-939202
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3793900
146 
VI. Jugendgemälde der A11gsburger Zeit. 
schön, schlank und leicht in der Bewegung, edel und anzieheud in Ausdruck 
und Form des Gesichtes. Scharfe, schwarze Conturen fallen hier beseit- 
ders auf.  
Zwei kleine Bilder im Baseler Museum -E) werden vom Amerbachsihen 
Jnventar") als Holbeins erste Arbeiten genannt, und müssen in der That 
in sehr frühe Zeit fallen: ein Jüngling nnd eine gekrönte Jungfrau mit 
großen Heiligenscheinen, hübsch, doch im Ausdrucke schüchtern. Die Schärfe 
der Umrisse zeigt sich hier gleichfalls. 
Eine ganz andere Stufe zeigen bereits die Altarflügel von 1512 in 
der Augsburger Galerie, von denen wir schon bei der Frage des Geburts- 
jahres gesprochen haben. Hier sind wir glücklich genug, über das Ber- 
hältniß Holbeins zum Vater und Meister Ausschluß zu haben. Zu einen: 
der Bilder, welches den Tod der heiligen Katharina darstellt, bewahrt 
das Baseler Museum zwei OriginalzeichnungenHi), bei denen sich aber 
deutlich erkennen läßt, daß sie nicht von der Hand des Sohnes, sondern 
von der des Vaters sind, der ihm für seine Co1npositionen mit Skizzen an 
die Hand ging. Zu vergleichen aber, was dem Jüngling gegeben wurde 
nnd was er damit zu machen wußte, ist höchst interessant. Alles ist unter 
seiner Hand etwas ganz Anderes geworden. Die Skizzen des Vaters 
stellen zwei ganz verschiedene Momente dar. Einmal kniet die Heilige, 
betend, das Angesicht gegen oben gewendet, während ans einer Wolke der 
Blitzstrahl, Von einem Steinregen begleitet, niederfährt, nnd das Rad, da-I 
sie tödten sollte, zerschmettert. Schon liegen fünf Henker-sknechte zu Boden 
gestreckt, ein sechster, welcher die Heilige am Stricke hält, wendet sieh er- 
schrocken nnd ausweichend, als ob er sich mit dem erhobenen Arme schützen 
wolle, zurüek. Seine Stellung ist gezwungen nnd gequält, etwa wie bei 
den Aposteln auf dem Verklärungsbilde von 15()2. Drei Zuschauer oder 
Richter, der vorderste dem Pilatus auf der Passionstafel der drei Vet- 
terinneu gleich, stehen etwas ferner. Eine Mauer mit einem Thor nnd 
die Aussicht ans eine Gegend mit Fluß, Brücke, Bergen, bilden den Hin- 
tergrund. Die Feder3eichnnng ist leicht anget11scht, die Berge blau, Boden 
nnd Bäume grün. Das zweite Blatt läßt neben dem brennenden Rade die 
knieende Heilige sehen, bereit, nachdem eine himmlische Fügung die erste 
Marter abgewendet, den Todesstreich mit dem Schwerte zu empfangen. 
 Ho-lbeinsaal Nr. 9 und M. 
und 53. 
 Beilage vl.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.