Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der christlichen Völker bis zum Ende des 15. Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930669
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3608047
596 
Buch. 
Fünftes 
Die 
Kunst des 
15. Jahrhunderts. 
poesievollen Verkiindigungsbildern in den Uffizien CNr. 1288J und im Louvre CNr. 1265J, 
die durch den Schmelz ihrer Färbung, die Feinheit ihrer Zeichnung und die Seele ihres 
Ausdrucks in der Tat über die übrigen Bilder der Schule Verrocchios hinausgehen, erscheint 
im Lichte der neueren Forschung doch nur das Louvre:Bild als ein eigenhändiges Werk der 
Friihzeit Leonardos. Jedenfalls wirkte seine neue Art, die Dinge zu sehen und wiederzugeben, 
schon früh aus Meister wie Botticelli und Piero di Cosimo zurück. Seine Weltwirkung aber 
begann erst in der Mailänder Schule, in der wir ihn wiederfinden werden. 
Siena, die Stadt der Madonna, der hl. Katharina Cgest. 1380J und des hl. Bernhardin 
Cgest. 1444J, hatte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wie durch ein Wunder den 
bahnbrechenden Bildhauer Jacopo della Quercia IS. 557J erzeugt. Die sienesischen Maler 
aber, die die Zeitgenossen des hl. Vernhardin waren, wie Pietro di Giovanni  
Sand di Pietro  und Stefano di Giovanni, genannt Sassetta Cgest. um 1450J, 
wagten sich, nach wie vor von inniger religiöser Schwärmerei beseelt, nicht über die Geleise 
ihrer großen Vorfahren hinaus; und die vielfeitigen sienesischen Meister der zweiten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts, von denen wir Lorenzo Vecchietta Cum 1412.80J und Francesco di 
Giorgio C1439 s1502J, denen Neroccio di Bartolomtneo  sich anschließt, schon 
kennen gelernt haben CS. 559J, zeigen die Unselbständigkeit ihrer künstlerifchen Natur gerade 
darin, daß sie sich in der Malerei immer noch nicht von den alten Typen und der alten An: 
ordnung loszumachen verstehen. Am lebensvollsten innerhalb des alten langnasigen Typus 
erscheinen noch die Madonnen Matten di Giovannis  deren mehrere auf der 
Sienesischen Kunstausstellung 1904 vereinigt waren; aber erst sein Nachfolger Guidoccio 
Cozzarelli  suchte, nach feiner Taufe Christi aus der Comune di Sinalunga zu 
urteilen, im Verständnis der Körperformen zugleich den Anschluß ans Quattrocento und ans 
Cinquecento zu erreichen. Corrado Ricci sagt vielleicht mit Recht, daß man die Sienesen des 
15. Jahrhunderts nicht des Rückschritts befchuldigen könne. Aber der Stillstand hat gerade in 
der Geschichte der Kunst nahezu die gleichen Wirkungen wie der Rückschritt. 
Einen Teil der innigen Andachtsstimmung seiner Kunstwerke teilte Siena im 15. Jahr: 
hundert der umbris eh en Malerei mit, die sich freilich anderseits auch der packenden Lebens: 
wahrheit der florentinischen Meister nicht verschloß. Beide Richtungen gehen in Umbrien neben: 
einander her, werden hier und da aber auch verschmolzen; und schließlich zeigt die Kunst des 
ausfichtsreichen, mit silbern:grünen Olbaumwäldern geschmückten Verglandes doch ihr be: 
sonderes Antlitz, dessen Liebreiz weithin nachempfunden wurde. 
Von den südumbrischen Meistern, bei denen der fienesische Einfluß überwog, kann hier 
nur Ottaviano Nelli von Gubbio Cgest. 1444J genannt werden. Der bedeutendste Über: 
gangsmeister dieser Schule, Gentile da Fabriano  hatte sich als Schüler 
des Alegretto Nuzi von Fabriano CS. 379J freilich unter örtlich gegebenen Bedingungen ent: 
wickelt, malte aber im Dogenpalast in Venedig und im Lateran zu Rom, in Brescia und in 
Florenz, in Ornieto und Siena und wuchs sich dadurch zu einem der einflußreichsten italieni: 
schen Übergangsmeister neben Masolino aus. Die bezeichnete Goldgrundmadonna mit Heiligen 
im Berliner Museum, deren Flügelbilder sich in den Uffizien zu Florenz befinden, und die 
berühmte Anbetung der Könige von 1423 in der Akademie zu Florenz, von der das Louvre 
zu Paris ein Sockelbild besitzt, genügen, ihn kennen zu lernen. Die Landschast der Anbetung
        

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