Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der christlichen Völker bis zum Ende des 15. Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930669
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3607908
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Fünftes 
Bachs 
Die 
des 
Kund 
Jahrhunderts. 
aus Masaccios leider nur schlecht erhaltenem Wandgemälde in S. Maria Novella zu Florenz. 
Am besten läßt sich seine Stilent1vickelung jedoch in den beiden großen Freskensolgen in 
S. Elemente in Rom und in der Vraneacci:Kapelle zu Florenz erkennen. Jn der Katharinen: 
kapelle von S. Elemente zeigt die Wand zur Linken, den Fenstern gegenüber, lebendig er: 
zählte und fein empfundene, aber noch recht raumlos wiedergegebene Vorgänge aus dem 
Leben der hl. Katharina, zeigt die Wand zur Rechten die Uberbleibsel von Bildern aus der 
Legende des hl. Ambrosins, in denen sich bereits deutliche Fortschritte kundtun, zeigt die schmale 
  H    Riickcvand eine große, räumlich anschauliche 
  :   sOarstellung der .K:reuzigung. Entztickend in 
 J. v.    ihrer milden Gros3aitigkeit ist aber auch die 
        Verkündigung über dem Aus;enbogen. In 
       der Brancaeci:Kapelle zu Florenz sind die 
      erhaltenen Fresken aus der Petruslegende, 
          die Filippino Lippi erst lange nach Masaccios 
         Tode vollendete, in zwei Reihen iibereinan: 
 . ;k       der angeordnet. Von den Bildern der Ein: 
         gangspfeiler z. B. rühren die beiden unteren, 
   E    g. Petrus im Gefängnis und seine Befreiung, 
 ; H     von Filippino, die beiden oberen, derSiinden: 
  F    fall und die Bertreibnng aus dem Paradiese, 
  C Es.  If   von Masaccio her. Im Siindenfall CAbb. 
F XI   Z;   S. 582J stehen Adam nnd Eva noch steif 
  ;,,sITsy   nebeneinander; und ihre Körperlichkeit ist, 
  i J wenngleich sie die aller nackten Gestalten 
  T  : Masolinos übertrifft, noch etwas spröde. In 
  der Vertreibung ans dem Paradiese CAbb. 
     S. 583J aber ist nicht nur die Zeichnung und 
Modellierung des Nackten von reifster Fülle, 
   sondern vereinigt die tiefste seelische Erregung 
Te;htr::s un; Jrl:Ja;knnes hseile1;, K5Zanke durch ihre  auch Mit der Ml1ßVOII lebendigsten Be: 
 a : n. 1na    et:    
Fiorek:z.e  WegUU9 des A1IsicJVeIteUs Zur FlUChk Und 
der Gebärden der Scham. Man glaubt den 
Verzweiflungsschrei zu hören, der sich Evas Lippen entringt. Auch zwischen dem Bilde der 
Erweckung der Tabitha, das dem Stil Masolinos im Baptisteriu1n zu Castiglione immerhin 
noch nahe steht, und dem Zinsgroschenbilde, das in der freien, breiten Symmetrie seiner 
Anordnung und der Großartigkeit seiner Charaktere im ganzen 15. Jahrhundert nicht 1vieder 
erreicht worden ist, liegt eine gewaltige Entwickelung; zwischen dem Petrus, der predigt, und 
dem Petrus, der tauft, aber ist der Unterschied nicht so groß, wie man ihn macht, wenn; 
gleich die Gruppen der nackten Tänslinge mit dem berühmten Frierenden in ihrer Mitte an 
sich wieder zu den lebendigsten Leistungen der Malerei aller Zeiten gehört. Am eindrucks: 
vollsten in seiner stillen, majestätischen Wucht ist vielleicht der Vorgang geschildert, wie Petrus 
und Johannes, ohne ihn anzusehen, an den Kranken voritberfchreiten, die ihr Schatten heilt 
CAbb. obenJ. Uberall richtet Masaccio seinen Blick aufs Große und Ganze. Alle tiberflüssigen 
Rebenfiguren, alle unnötigen Ge1oandsalten, alles ablenkende Beiwerk verschmäht er. Mächtige
        

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