Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der christlichen Völker bis zum Ende des 15. Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930669
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3605054
336 
Viertes 
Bachs 
Die Kunst des 
späteren Mittelalters 
c1250s 
.1400J. 
Zeitlich geht die Prager Schule, deren Erforschung nach Grueber, Woltmann und 
Neuwirth besonders Julius von Schlösser und Max Dvokak mit frischen Augen wieder auf: 
genommen haben, jeZt allen deutschen Schulen voran. Schon 1348 war hier eine Maler: 
bruderschaft CMalerzecheJ gegründet worden, deren von Pangerl veröffentlichte Satzungen in 
deutscher Sprache abgefaßt waren. Gleichzeitig wurden aber auch fremde Meister beschäftigt. 
Unter den Jtalienern ragt Tommaso da Modena CThomas de MutinaJ hervor, von dem es 
freilich sehr ungewiß ist, ob er selbst in Prag gewesen; unter den westdeutschen Meistern wird 
Nikolaus Wurms er von Straßburg 1359 und 1360 ehrenvoll genannt; als Prager Künst: 
ler aber tritt uns etwas später C1367J Meister Dietrich oder Theodorich aus den Ur: 
künden entgegen. Daß italienische Künstler in Prag arbeiteten, beweist schon das große, 1871 
vollendete Mosaikgemälde über der siidlichen Querhaustiir des Prager Domes. Als Werke 
von Tommaso da Modena aber sind inschriftlich nur zwei Tafelwerke der Burg Karlstein 
CS. 330J beglaubigt, von denen das eine, ein einfacher Flügelaltar, der die Madonna zwischen 
den hl. Wenzel und Palmatius darstellt, in die Kaiserliche Galerie nach Wien gekommen ist, 
während zwei Tafeln des anderen auf dem Karlstein geblieben sind. Von diesen Bildern aus: 
gehend, hatten schon Crowe und Cavalcaselle dem Meister die um 1357 entstandenen Wand: 
gemälde der KatharinenkapelIe des Karlsteins zugeschrieben, deren erhaltene Hauptstücke die 
Kreuzigung vorn am Altar und die Madonna zwischen Karl IV. und seiner dritten Gemahlin 
in der Nische über dem Altar sind. Neuwirth ging noch einen starken Schritt weiter, indem er 
auch die gewaltige, schon 1356 abgeschlossene Bilderfolge aus der Offenbarung Johannis, die 
sich an allen vier Wänden der Marienkapelle entlangzog, zum Teil noch entlangzieht, zu Thus 
mas von Modena in Beziehung feste. Die Unmöglichkeit dieser Auffassung tat Julius von 
Schlösser dar; Dvokak aber zeigte, daß überhaupt keine italienischen Meister an den Wand: 
malereien im Karlstein tätig gewesen sind, deren nordisch:italienischer Mischstil sich dadurch 
erklärt, daß nordische Hände sie nach italienischen Miniaturen oder anderen Vorlagen aus: 
geführt haben. Dasselbe gilt von den zwischen 1352 und 1370 gemalten biblischen Wand: 
und Deckengemälden im Kreuzgang des Klosters Emaus, die deutlich genug an den Bild: 
schmuck der Armenbibeln erinnern. Niemand wird aber auch z. B. das herbe Tafelbild mit 
dem Gekreuzigten zwischen Johannes und Maria in diesem Kloster für italienischen Ursprungs 
halten. Daß Nikolaus Wurmser von Straßburg in der Marienkapelle des Karlsteins ge: 
arbeitet haben könne, ist mit dieser Auffassung nicht unvereinbar; aber über die Bilder, die 
ihm hier oder in dem benachbarten Treppenhause zugeschrieben werden könnten, gehen die 
Ansichten Neuwirths, Schlossers und Dvokaks immer noch auseinander. 
Glücklicher sind wir mit dem Meister Dietrich oder Theodorich von Prag und seinem 
beglaubigten Hauptwerk, der Kreuzkapelle der Burg Karlstein, daran, deren Ausschmiickung 
mit Wand: und Tafelgemälden um 1365 vollendet gewesen sein muß. Der untere Teil der 
Wände des von zwei Kreuzgewölben überspannten Raumes ist mit böhmischen Halbedelsteinen 
verkleidet. Ihr oberer Teil aber ist mit 126 Cursprünglich 138J Gemälden auf viereckigen 
Holztafeln bedeckt, die sich, von vergoldeten Gipszieraten umrahmt, als Täfelung im eigent: 
lichsten Sinne des Werkes über: und aneinanderreihen. Die Fensternischenwölbungen darüber 
sind mit Wandgemälden geschmückt. Das Hauptbild in der Westfensternische stellt Gott: 
Vater, in goldener Mandorla thronend, dar und ihm gegenüber das Lamm mit den sieben 
Hörnern. Jhren eigentlichen Charakter aber erhält die Kapelle durch jene Tafelgemälde, die 
zUM größten Teil Heiligenhalbfiguren auf mattem, gemustertem Goldgrund darstellen. Das
        

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