Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst der christlichen Völker bis zum Ende des 15. Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-930669
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3601063
Ginkeitung. 
Als Jesus von Nazareth durch seinen Tod am Kreuze in Jerusalem eine neue, tief: 
innerliche Weltanschauung begründet hatte, strahlte die alte Welt noch in der schönsten Nach; 
blüte ihrer Kunst. In weitem Umkreis um Palästina herum erhoben sich noch immer neue, 
üppig mit Bildwerken und Gemälden geschmückte Prachtbauten der im Osten bereicherten hel: 
lenischen und der von Hellas berührten östlichen Kunst; und auch in Rom hatten die heid: 
nischen, vom hellenistischen Osten befruchteten Künste noch lange nicht ihr leHtes Wort ge: 
sprochen; ja selbst, als in der stillen Gräberwelt Roms die ersten christlichen Sinnbilder und 
die frühesten Darstel1ungen aus den heiligen Schriften der Christenheit, die wir im Zusam: 
menhang verfolgen können, malerische oder plastische Gestalt gewannen, fehlten dem Bilde 
der ewigen Stadt noch eine Reihe ihrer majestätischsten Prachtbauten, wie die Thermen Cara: 
callas und Diokletians und das Pantheon in seiner jehigen Gestalt, hatte die hellenistische 
Bildnerei ihre lehten eindrucksvolIen Schöpfungen, wie den Typus des vergötterten Bithyniers 
Antinous und das Reiterstandbild Mark Aurels, noch nicht geschaffen, führte die hekdNifche 
Malerei noch so technisch bedeutsame Werke aus wie die legten der helIenistisch:ägyptischen 
Mumienbilder, wie die Mosaiken aus der Villa Hadrians und zahlreiche Wandbilder, von 
denen nur die Landschaftsbildchen der Gräber der Bin Latina hervorgehobeN seien. 
Das Christentum schenkte der Kunst zunächst keine neuen Formen, sondern nur einen 
neuen Inhalt. Dies gilt von der Baukunst, die in den Kirchengebäuden, in denen die Ge: 
MEkUdeU sich versammeln und die gottesdienstlichen Handlungen vollzogen werden sollten, 
in höherem Grade als je vorher zur Jnnenkunst wurde; dies gilt aber besonders von den 
darstellenden Künsten, die sich unter christlichen Händen, von Zierfiguren abgesehen, ängstlich 
den heidnischen Gestalten und Geschichten entzogen, um sie erst durch sim1bkIdliche, dann durch 
wirkliche Gestalten des Heilands und der Seinen, durch Vorgänge aus dem Alten Testament, 
die als Vorbilder der Begebenheiten des Neuen Testamentes aufgefaßt wurden, schon früh 
aber auch durch die Geschichten des Neuen Testamentes selbst zu ersehen. Die Verbildlichung 
der heiligen Gestalten und Geschehnisse wurde dabei, wenn man sich ihren dekorativen Wert 
M M0faik und Malerei, in Relies: und Rundbildnerei auch gefallen ließ, noch durch das 
ganze Mittelalter hindurch mit der Notwendigkeit entschuldigt, dem Volke, das nicht lesen 
konnte, lIUf bildlichem Wege die Kenntnis der heiligen Personen und Vorgänge zu über: 
mitteln. Die alte Gewohnheit der Mittelmeervölker, das Göttliche in bildlicher Gestalt zu 
verehren, beförderte die Entstehung christlicher Bilderkreise. Tritten Christus und die Seinen 
nunstgescbichte. II. 1
        

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