Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arnold Böcklin
Person:
Frey, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923952
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-925858
158 Nebenfonnen 
Die Poesie, die mit hundert Zungen aus Böcklins Schöp: 
fungen redet, trieb ihn dazu, sich von Zeit zu Zeit der ge: 
bundenen Rede zu bedienen. Das wenige, was sich von 
seinen Versen erhalten zu haben scheint  vermutlich tritt 
da und dort noch etwas weiteres zutage  verrät Kennt: 
nis der besonderen Kunstbediirfnisse, klare Durchbildung des 
Themas und korrekte Ausführung des einzelnen, dagegen 
keine Eigenheit1s. 
Wichtiger als seine dichterischen Versuche war seine starke 
und früh erwachte Liebe zur poetischen Lektüre. Hier einen 
Einfluß der Schule anzunehmen, fällt schwer. Gerade das, 
wonach seine junge Seele verlangte, bot das Basler Gym: 
nasium nicht, das ihn ja frühzeitig als einen halb Ges 
scheiterten entließ, bot auch Wilhelm Wackernagel nicht. Es 
war der angeborene Kunstsinn, der ihn früh den bedeutenden 
und echten Dichtern entgegenfiihrte. Er las begierig, aber 
schon als Jüngling nicht zum Zeitvertreib, sondern um sich zu 
bilden und zu vertiefen. Der Z1vanzigjährige bereits hielt 
es wie der Vierzigjährige, der, nach Schicks Mitteilung, an 
seinen Kunstgenossen tadelte, daß sie Abend für Abend in die 
Kneipe liefen, anstatt sich hinter ein Buch zu setzen. 
Der Freund und Verehrer der Dichter hat sich gehütet, 
II Eine deutsche Monatfchrist hatte ein an Arnald Böcklin ges 
richtetes Sonett von Frida Schanz gebracht; fein Name mußte darin 
auf ,,MelodienV oder ,,Harmonien77 oder andere Endfilben mit langem, 
betontem i reimen. Da erschien im Feuilleton des ,,BundtI folgende 
Apostrophe Böcklins an die Dichterin: 
,,Wart, Frida Skhanz, jetzt komm7 ich mit dem Stöcklin 
Und klopf7 dir aus das Dichterunterröcklin. 
Zum Teufel mit Böcklihn1 ich heiße Böcklin.7I 
Das Verslein machte die Runde durch die ganze deutsche Presse 
und wurde für eine authentische Kundgebung Bökklins gehalten, dies 
zum großen Vergnügen J.V.Widmanns, der sich den Scherz ers 
laubt hatte, um auf lustige Weise die unrichtige norddeutsche Auss 
sprache des Namens Böcklin womöglich für immer in Miszkredit zu 
bringen und aus der Welt zu schaffen.
        

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