Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arnold Böcklin
Person:
Frey, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923952
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-925817
154 Nebensonnen 
kennt und was wohl durch zwei Jahrtausende hindurch 
seine Eigenart bewahrt hat. Doch klebt er nirgends an 
Einzelheiten und am Kleinlichen, sondern verfährt, die Wirk: 
lichkeit überall nur im großen Ganzen benuxzend, in der aus: 
gestaltenden Weiterbildung mit großer Freiheit, wobei er so 
harmonisch sowohl zu variieren als zu mischen versteht, das; 
seine architektonischen Erfindungen durchaus den Eindruck 
von organischen Gebilden erwecken. 
Über die Bauwerke früherer und heutiger Zeit hegte 
Böcklin sehr eigene und bestimmte Ansichten. Die gesamte 
moderne Architektur galt ihm wenig oder nichts; häufig 
genug war sie ihm zuwider. Die Architekten des neunzehnten 
Jahrhunderts bezeichnete er als Leute, die aus Mangel an 
schöpferischen und neuen Ideen ganz einfach die alten Karten 
handwerksmäßig wieder mischen und auflegen. Von der 
Gotik wollte er nichts wissen, von der Romanik nicht viel 
mehr. Als er eines Tages mit einem Freunde vor dem 
Zürcher Grof;münster stehen blieb, schloß er die Betrachtung 
des Portals mit den Worten: ,,Diese romanische Baukunst 
ist doch eine bäurische KunstiV Auch gegen die Renaissanee: 
architekt1tr wurde er immer kühler und hielt, wie wir unter 
anderem aus Floerke vernehmen, mit scharfen Äußerungen 
über sie nicht zurück. 
Es galt ihm eben als unumstößliche Tatsache, daß die 
Schöpfungen der griechischen Kunst und Kultur und, was 
unter den Römern Tüchtiges davon nachblühte, durch die 
späteren nie wieder erreicht worden sei. Nach den ver: 
schütteten Gefilden althellenischer Kunst und althellenischen 
Lebens blickte er mit dem andächtigen Herzen und den sehn: 
süchtigen Augen eines Winckelmann und eines Lessing. Darin 
war er völlig, wie wenn er hundert Jahre früher zur Welt 
gekommen wäre. Gleichwie zwischen 1750 und 1760 der 
holddämonische Glaube an die Herrlichkeit der altgriechischen 
Welt sich leise, aber unwiderstehlich der erlesenen Gemüter
        

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