Bauhaus-Universität Weimar

1036 Frankreich (Geschichte 18T9-87) 
in dem er neben dem Präsidium das Auswärtige, bestehenden Anstalten nachzusuchen. Da sämtliche 
Ferry das Unterrichtsministerium übernahm, Sah Bis(-1äöfe Protest-schreiben gegen diese Miirzdekre-te 
und Freycinet ihre Posten behielten. Das linke erlie en und die Obern der Kongregationen in 
Centrum, die gemäfzigte Linke und die sog. republi- einer Versammlung vom 2. April beschlossen, die 
kanische Union waren in diesem Kabinett vertreten. Statuten nicht mitzuteilen und die Autorisation 
Die Veränderungen in den Militärkommandos er- nicht iiaihzusuchen, so entstand auch in F. ein c(Kul- 
folgten liegt ohne Widerstand. Ein radikaler Antrag turkampf)). Zunächst wurden die Ordenshäuser der 
auf Er assung einer allgemeinen Amnestie wurde Jesuiten und ihre Lehranstalten geschlossen. Wegen 
zwar von beiden Kammern abgelehnt, dagegen aber der übrigen Kongregatioiien wurde mit dem päpstl, 
ein von der Regierung vorgelegtes Amnestiegeset3 Stuhl unterhandelt. Die. Kongregationen über- 
angenommen, das die wegen Verbrechens gegen sandten darauf der Regierung eine Erklärung, 
das gemeine Recht Verurteilten ausfchlosz und den worin sie zwar ihre Achtung und Unterwersung 
Amiiestierten nicht zugleich auch die bürgerlichen gegenüber den gegenwärtigen Staatseinrichtungen 
Rechte zurückgab. Im Sinne der vorwaltenden libe- beteuerten, aber weder ihre Statuten vorlegten noch 
ralen Strömung wurde auch die Zurückverleaung die staatliche Anerkennung nachsuchten, 
der beiden Kammern von Versciilles nach Paris Diesem Geboten gegenüber ließ es dieRegierung 
beschlossen und als Terinin hierfür der I. Nov. an dem nötigen Nachdruek fehlen un-d bedrohte da- 
festgesetzt. Die von dem Unterrichtsminister Ferrh mit selbst ihre Stellung. Andere Ereignisses(härften 
vorgelegten Geseyentwürfe, von denen der eine den den "onflikt. Nachdem von beiden Kammern 9.Ju1i 
Kon regationen das Recht, höhere Schulen und eine bedingungslose Amnestie bewilligtwar, kehrten 
PenEonate zu unterhalten, entziehen,der andere den die Koinmimarden und ihre Führer nach F. zurück, 
übermächtigen Einfluß der Geistlichkeit auf das um den Kampf gegen DIE fkC(1tI1c)S OVdtI1Mg von 
Unterriihtswefen beseitigen und einen aus Laien zu- neuem zii beginnen. Der 14. Juli, der Tag dek 
fammengefet-,ten obersten Unterrichtsrat dem Mini- Ersti"irmun der Bastille, wurde in ganz F. als 
ter zur Seite stellen wollte, wurden von der Kammer republikanisches Nationalfest gefeiert,und Gainbetta, 
9.und 18. Juli genehmigt. Bald war den Republi- der sich mit Grevh nnd den Ministern nach Cher- 
kanern auch das Ministerium Waddington nicht bourg zur Flotteninspizierung begeben hatte, hielt 
mehr genehm,da esihnen nichtenergischgenuggFgen dort 9. Aug. eine scharfe R.eoanihei-ede. Um dem 
bonapartistifche Beamte verfuhr. Von den vier Frass Auslande gegenüber nicht in-Verlegenheit zu ge- 
tionen der Republikaner: linke-S Centrum, republi- raten, stellten Grevh,nnd Frehcniet Gambettas Rede 
kanische Linie, republikanische Union, äus;erste Linie als den Ausdruck seiner Pers önlichen Ansichten dar, 
(Radikale), arbeiteten hauptsächlich die zwei mittlern und Freyciiiet sprach sogar von einer -re Abenteurek- 
an dem Sturz des Kabinetts, und da dieses unter politik)). Dies konnte ihm Gambetta nicht verzeihen, 
solchen Umständen die Kamniermehrheit nicht für und nameiitlichsein Werk war die kurzdaraiif wegen 
sich hatte, so gab es seine Entlafsungeiii, worauf Ausführung der Märzdekrete eintreteiide Ministek- 
29. Dez. 1879 der Bautenminister z)-reycinet ein kriüs. Das Kabinett Freycinet nahm seine Ent- 
neues Ministerium bildete, worin er neben dem lasfung, worauf 23. Sept. 1880 F-errh, der das 
Präsidium das Auswärti e übernahm, Fern) das Unterrichtsmiiiisteriiim beibehielt, die Präsident- 
Unterrichtsministeriuni behielt. s(haft übernahm, während Barthelemy Saint-Hilaire 
Jn der Sexsion von 1880 lagen die Ferrhschen Minister des Austvärtigen wurde- und sechs Mit- 
Unterrichtsge ehe dem Senat zur Beratung vor. Er glieder des vorigen Mi,ni.sieriums in das neue ein- 
genehmigte sie, lehnte aber den wichtigsten Artikel traten. Unter der M1nisterpräsidentsihaft F-ekky3 
(V1I), wodurch den Mitgliedern der vom Staate nahm der Bollzug der Mär-zdekrete einen raschem 
nicht anerkannten Kongregationen verboten war, Verlauf. Die nicht autorisierten Kongregationen 
eine öffentliche oder private Unterridhtsanstalt zu wurden aus ihren Klöstern ausZewiesen und diese 
leiten oder daran Unterricht zu erteilen, mit 149 geschlossen, wozu an manchen rten Militär auf- 
ggen 132 Stimmen ab. Da dieser Artikel den geboten werden mußte. Jmmer mehr zeigte sich vie 
chwerpiinkt des ganzen Gesetzes ausmachte, so MaiiY der ((aiionymen Regieriingv Gambettas. 
hatte letzteres ohne jenen keinen Wert. Daher ver- Als Führer der zahlreichsten Fraktion, der RevubIi- 
langteii die Republikaner, das; die Regierung nach tanischen Uiiion, beherrschte er nicht blos; die Kam- 
den Gesetzen von 1790, 1792 und 1804 gegen die mer, sondern durch diese auch das Ministerium und 
Kongregationen versahre1i solle. Ein solches Ein- nötigte jedes Kabinett, das ihm nicht zu Willen 
greifen war um so mehr geboten, da in F. 500 vom war, zum Rücktritt. Sein Streben galt aber der 
taat.ni(ht er-niächtigte Kongregationen mit 22000 Erringung des Postens eines Ministerpräsidenteki 
Mitgliedern, darunter mehr als  männlichen, und eines Präsidenten der Republik. Um für diesen 
bestanden, die Jesuiten 74 Lehranstalten und ein J-all eine ihm ganz unterwi'irfige, von Monarihisten 
Personal von 1011Mitgliedern hatten, die Zahl der nnd Radiialen inögl.ichst gesäiiberte Kammer u 
von Ordei1smitgliedern unterrichteten Schüler etwa schaffen, wünschte er die Absohafiung der Arrondisse- 
200()0 betrug, wovon die Hälfte in Jesuitenanstal- mentswahlen iind die Einführung der Listenwahlea 
ten war. Daher erliesz auf Grund dieser GefeSe für die Abgeordnetenkammer. Während nach dem 
der Präsident Grevy 30. März 1880 zwei Dekrete, bisherigen Wahlgeset3 jedes Arrondissement einen 
von denen das erste den Jesuiten befahl, binnen Abgeordnetenwählte, sollten von nun an die Wählek 
Z Monaten ihre gesellschaftliche Verbindung auf- eines ganzen Departements eine auf einer Aste 
zulöfeii und ihre Anstalten in F. zu räumen; das verzeichnete Anzahl von Kaiididaten auf- einmal 
zweite alle nicht anerkannten Kongregationen auf- wählen. Da die Republikaner in den meisten De- 
orderte binnen Z Monaten bei der Regierung partement-I die Mehrheit hatten, so war siZkr, daß 
um die Prüfung und Genehmigung ihrer Statuten durch die Listenwahl eine überwältigende ehrheit 
und Reglements und um die gefe3liche Anerken- von Republikanern gewählt werden würde, und die 
innig für jede einzelne ihrer bisher nur thatsäcbIich Anfertigung dieserListen lag in der.Dand Gainbettas
        

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