Bauhaus-Universität Weimar

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auartiermeister des Bli"icherschen Korps angestellt stung Magdeburg, später Gouverneur der Festung 
und nach Schar-nhorsts Tode Chef des Generalstabes Ulm und nahm 1882 als General der Jnfanterte sei- 
der Schlefischen Armee. Jn vollkommenem Einver- neu Abschied. Er starb 2.Febr.1889 in Naumbui-g. 
ständniHe mit seinem Oberfeldherrn drängte er im- Gueisgtauit, s. Granit. 
mer zur entscheidenden That iind zu rücksichtsloser Gneif;, Gestein, s. Gneis. 
Einfe3ung allerKräfte im Sinne derneuen, die Ver- Gneift, in der Lederfabrikation die aus Fett, 
nichtung des Gegners erstrebenden Strategie; doch Kalk, Schmutz u. a. bestehende Masse, die bei dek 
erwog er stets in sorgfältiger Berechnung die Kriegs- Bearbeitung der Haut auf dem Schabebaum aus 
lage und war Meister im Entwerfen kühner, da ei derselben herausgepreszt wird. 
aber jedes vercneidliche Wagnis ausschließender Gneift, Rad. von, Jurist und Politiker, geb, 
Operationspläne: so 1813 nach dem Waffenstill- 13. Aug. 1816 zu Berlin, besuchte das Gymnasium 
stande bei dem Zaudern des Kronprinzen von Schwc- zu Eisleben, studierte seit 1833 in Berlin die Rechte, 
den, so 1814in Frankreich gegen Schwarzenbergs An- wurde 1836 Aus:-ikultator und habilitierte sich 1839, 
sichtenden Plan zum Vormarsch aufParis. Nach der Daneben war er seit 1841 erst als AsseHor beim 
Schlacht von Leipzig wurde er Generalleutnant. Kammergericht, dann als Hilfsrichter bei dem Ober- 
Nach demPariferFrieden (1814) erhob ihn derKöiiig tribunal in der 1urist. Praxis thätig. Von eine: 
in den Grafenftand und gestattete ihm, sich eine Reise nach Jtalien, Frankreich und England zurück- 
Domäne von 10000 Thlr. jährlicher Einkünfte aus- gekehrt, wurde er 1844 zum außerord. Professor ek- 
zuwählen. 1815 nach derRückkehrNapoleons war er nannt. Jnfolge der Reaktion 1850 trat G. von 
wieder Chef des Bli'icherschen Generalstabes. Er ord- seiner richterlichen Stellung zurück iind widmete sich 
nete nach der Schlacht bei Ligny wegen Blüchers Er- ganz seinem Lehranit, in welchem er 1858 zum ord. 
krankung selbständig den Rückzug und zwar derart, Professor aufrückte. Jn demselben Jahre begann 
daß die Armee zwei Tage darauf durch ihr über- auch mit seinem Eintritt in das Preuss. Abgeordneten- 
raschendes Erscheinen die Schlacht bei Waterloo haus, dem er bis 18931iniiuterbrochen angehörte, 
entschied, und bewirkte durch die nachdrückliche, von feine parlamentarische Thätigkeit; 1867-84 was; 
ihm selbst geleitete Verfolgung, daß dieser Sieg dem er Mitglied des Reichstags. Jn der Koiifliktszeix 
Kriege ein Ende machte. Als besondere Auszeich- stand er auf der Seite der liberalen Opposition, 
nun erhielt er neben der Ernennung zum General Später schloß er üch der nationalliberalen Partei an. 
der 3nfanterie den Schwarzen Adlerorden, der in 1864 war er Verteidiger im großen Polenprozefse, 
Nai)oleons Wagen gefunden worden war. 1875 wurde er Mitglied des Oberverwaltungsge- 
Nach dem zweiten Einziige in Paris nahm er richts, auch warerMitglieddes preusi.Staatsrates, 
teil am Friedensfchlusse und wurde zum komman- 1888 wurde er von Kaiser Friedrich I11. geadelt. E-e 
dierenden General des 8. (rl)ein.) Arnieekorps er- starb 22. Juli 1895 in Berlin. 
nannt. Schon 1816 fühlte er sich indes teils aus G. war ein geistvoller Jurist, fruchtbarer Schrift- 
Gesundheitsrücksichten, teils ans polit. Gründen steiler und eifriger Förderer aller praktisch-posik, 
bewogen, feinen Abschied zu fordern. Er zogßch nach Fragen der Gegenwart. Er beteiligte sicl) mit regem 
seinem Schlosse Erdmannsdorf ( bei Warmbrumi Eifer an dem Zustandekommen der Reichsjustiz- 
in Schienen) zurück. 1818 ernannte ihn der König gesex-,e sowie der kirchenpolit. Gesetze und der neuen 
zum GouVerneur von Berlin und Mitglied des evang. Kircheiiverfassung Preußens. Jnsbesondeke 
Staatsrats und 1825 zum Gencralfeldmarschall. ausgezeichnet war er aber durch eine umfaHende, an 
Jm März 1831 wurde ihm, als der poln. Ausstand Ort iind Stelle gewonnene Kenntnis des en I, 
sich der Preuss. Grenze näherte, der Oberbefehl über Staats- und Verwaltungsrechts, die ihm einen Fe- 
die vier öftlichen preuß. Armeekorps  2., 5. und deutenden Einfluß auf die neuere Verwaltungs- 
6.) anvertraut. G. begab sich nach Posen und starb gefeYgebung Prenszens gab; die Grnndbegrisfe dieser 
dort an der Cholera in der Nacht vom 23. auf den Gesetzgebung sind gros3enteils von ihm geschaffen. 
24. Aug. 1831. Er wurde auf seinem Gute Sommer- Von seinen zahlreichen Schriften End hervorzuheben; 
schenburg bei.55elmstedt begraben. Mit alle1i Eigen- c: Die formellen Verträge des neuern röm. Obliga- 
fchafte1i eines großen Feldherrn vereinigte G. Be- tionenrechts-) (Berl. 1845), ccAdel und Ritterfchqfk 
scheidenheit und Menschenfreundlichkeit, und sein in England-) (ebd.1853), (cDas heutige engl.Vei:- 
ritterlicher Charakter, seine feine geselIige Bildung fassungs- und Verwaltungsrecht)), sein Hauptwerk 
und seine Tugenden als Faniilienvater erwarben (2Tle., ebd.1857-63; 3. Aufl. des 1.Teils  
ihm die al1gemeinste Achtung. Am 21. Mai 1855 ((Das engl. Verwaltungsrecht der Gegenwart)), in 
wurde ihm auf dem Opernplage in Berlin ein von 2 Bdn., 1883-84; Z. Aufl. des 2. Teils u. d. T.; 
Rauch gefertigtes Erzstandbild errichtet. 1888) er- c(se1fg0vemc;1ent, Kommunalverfasfung.und Ver- 
hieli das 2. pommersche Grenadierregiment Nr. L) waltungsgerichte in England-), 1871), (cDieLage de: 
den Namen Kolbergisches Grenadierregiment Graf Preuss. Heeresorganisation-) (ebd. 1862), ((Soll der 
G. G.s -cBriefe an Siegling-) gab Pick (Erfurt Richter auch über die Frage zu befinden haben, ob 
1894) heraus; derselbe veröffentlichte ii. d. T. e(Aiis ein GeseZ verfassungsmäßig zu stande gekommen?- 
der Zeit der Not 1806 bis 1815)) (Berl. 1900) Zahl- (3. Aufl., ebd. 1863), ((Biidget und Gesetz nach dem 
reiche Briefe und Aktenstücke aus G.s Nachlaß.  konstitutionellen Staats-recht Englands)) (ebd.1867), 
Eine namentlich an urkundlichem Materialsehr reich- ((Die Stadtverwaltung der City von London)) (ebd. 
         
1864-69; Bd. 4 und 5 von Delbrücl, 1880; eine Justiz,3 echtsweg, Staats-verwaltunH und Selbst- 
Bearbeitung des Werks gab Delbri'ickheraus,2.Aufl., verwaltung nach engl. und deutschen erhältnissen- 
2 Bde., ebd. 1894). (ebd.1869), (cDie konfessionelle Schulen (ebd.1869), 
Sein dritter Sohn Bruno, Graf Neithardt von c(Die bürgerliche Eheschließung)- (ebd. 1869), c(Die 
G., geb. Z. Mai 1811, führte während des Deutsch- Preuss. Kreisordnung)) (ebd. 1870), -(-Der Rechts- 
?ranzösischen Krieges die 31.Brigade des 8. Preuss. staat-) (ebd. 1872: 2. Aufl. 1879), (cVier Fragen Zur 
rmeekorps, wurde nachher Kommandant der Fe- deutschen Strafprozeszorduungv (ebd.1874), -Ge ex;
        

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