Bauhaus-Universität Weimar

Hessen-Cassel 97 
gegen Nordamerika kämpfen, wofür er 21276"i'78 Hierauf bewilligte dertturfürst15.Sept. dem Stadt- 
Thlr.-erhielt. Er starb 1785; ihm folgte als Land- rate zu Cassel das Gefild) Um Versammlung der 
traf sein Sohn Wilhelm 1X. (als Kurfürst Wil- Lcindstttnde. Jnzwischen waren auch in Hanau und 
heim l., s.  der schon seit 1760 Graf und dann Fulda Unriihen ausgebrochen, die sich in Cassel G. 
Fürst von Haiiau gewesen war. Er nahm an den und 16. Okt. erneuerten. Die einberufenen Stände 
franz. Revolutionskriegeii mit seinem Reichsten- der althess. Lande, denen auch Abgeordnete von 
tiiigent und auch als brit. Verbündeter teil. Nach- Fulda, Hanan und Jsenburg und Scl)aiiniburg bei- 
dein er dem Baseler Frieden von 1795 beigetreteii gegeben waren, traten 16. Okt. zusammen. Jhnen 
war,schlos; er sich an Preußen an. Zur Entschädi- wurde das neue Grundgeseß, das der Kurfr"irst 
gnug für den Verlust seiner Vesitziingen 1enseit des 5. Jan. 1831 unterzeichnete, 9. Jan. feierlich über- 
Rheins erhielt er 1803 mehrere vormals Mainzer geben. Die Rückkehr der Gräßn Reichenbach nach 
Än1ter nnd Städte und die Würde eines Kur- Wilhelmshöhe10.Jan.und die darüber entstandene 
sürsten, die er 1. Mai 1803 unter dem Namen Bewegung hatte indes zur Folge, daß die Gräfin 
Wilhelm I. öffentlich annahm. Am Z. Okt. 1806 sich wieder zur Abreise entschließen mußte. Dies 
schloß er einen Vertrag mit Napoleoii,worin dieser reizte den Kurfürsten so, daß er seine Residenz 
die Neutralität des Kiirfürstentuins anerkannte. nach Haiian verlegte und  Sept. 1831 durch ein 
Da aber der-Kiirfürst zur Ausrecl)terhaltiing der Gesetz dem Kurprinzen Friedrich Wilhelm die Mit- 
Neutralität sein Heer auf 2000() Mann vermehrte, regentschaft und zugleich, bis er selbst wieder in die 
so gab ihm Napoleon nach der Schlacht bei Jena Hauptstadt ziirückkel)reii werde, die alleinige Regie- 
schuld, dies nur deshalb gethan zu haben,.um, falls riing übertrug.  Am 7; Oft. hielt der Kurprinz-Mit- 
die Preußen siegteii, gemeinschaftliche Sache mit regeiit seiiieii Einzug in Cassel. Der erste nach der 
diesen zu machen. Bereits 1. Nov. wurde Cassel neuen Verfassung 11. April1831 eröffnete Landtag 
von franz. Trus)pen besetzt iind im Frieden zu Tilsit wurde, als er s-ich über die .Maszregeln der Regie- 
das ganzeK"urfürst.entum.deni neu.errichteten König-  riing gegen Presse uiid Vereine uiid über die Aus- 
reich Westfalen einverleibt. Erst 21. Nov. 181t3  iiahmebeschli"issedes Bundestags aussprach,26:Juli 
kehrte der Kurfi"lrst in- seiii Land zurück und-wollte  wieder aufgelöst. Sein wi(htigstes Ergebnis war 
nun alles auf die-Zustiinde You 180(3 zuriictsühreii,  der Zollanschlusz an Preußen und damit der Bei- 
wodurch weitläiisige Prozesse, namentlich in Be:  tritt zum Zollverein.- Der zweite Landtag begann 
ziehung auf den Verkauf der Dom(in-en, veranlaßt  iiiit Zwistigkeiten zwischen Ministerium und Stän- 
wurden. Als-mati ihm aus dei1iWiener Kongr-eß  den, die zu einer abermaligeii Auflösung sühnen. 
nicht den Königstitel bewilligte, behielt er den iii- Der dritte  April 1833 ein erufen, 
zwischen ganz bedentiiiigsl-os gewordenen kurfürstl. wurde erst 10. Juni eröffnet. Anklagen gegen den 
Titel bei. Bei der Ausgleichung der deutschen Ge- Minister Hassenpflug (s. d.) wurden vom Oberappel- 
biete erhielt er zu seinem frühernBesiHe deii größten lationsgericht aus formellen Gründen verworfen. 
Teil des Fürstentnnis Fnlda, mehrere Enklaveii im  Nachdem ein Gesetz über die Emancipation der 
Kiirhessischen iind einen Teil des Jseiiburgischen;  Juden zu stande gekommen war, schloß der Landtag 
dagegen trat er einige Enklaven und Grenzdistrikte,  31. Okt. 1833 wenigstens mit einem verfassungs- 
z.B. an Sachseii-Weiniar, ab. Bei der Rüclkel)r in  mäßig gefaßten Abschiede. Der Landtag für die 
sein Land hatte er dem Volk in einer Proklamation zweite F-inanzperiode 1834-36, "edoch ohne neue 
sowie den verbi"indeten Miichten in dein Beitritts-  Wahlen, wurde 11. Nov. 1833 erösfnet, brachte eine 
vertrage vom 2. Dez. 1813 versprochen, die Land- Gemeindeordniing zu stande und erzielte eine Min- 
stände, wie sie bis 1806 bestanden, jedoch mit Aiif- derung des Militäretats, wurde aber S. April 1835 
hebiing aller Steuerbefreiungen, wiederherzustellen, ohne Verabschiedung entlassen. 
und es waren auch die alten Stande vom 1. März Jnzwischeii hatte der 12. Nov. 1834 eHolgte Tod 
bis 2. Juli 1815 und dann wieder vom 15. Febr. bis des Landgrafen Victor Amadeus von He en-Rhein- 
10. Mai 1816 ver-saninielt. Der Kurfürst lief; einen fels-Rotenbii-rg u-nd der dadurch veranlaßte Heim- 
Verfassungsentwurf, der im wesentlichen an den fall der beträchtlichen Grundbesixzungen desselben 
alten Grundlagen nichts ändern sollte, ausarbeiten, zu neuer Verwicklung zwischen der Regierung und 
von welchem er aber dann plötzlich wieder absah. den .Ständen Veranlassung geboten. (S. Hessen- 
Er gab hierauf ein Haus- und Staatsgefet3 vom Rheinfels-Rotenburg.) Der Landtag 1837-39 
4. März 1817, in welches man verschiedene Be- wurde 22. Nov. 1836 eröffnet, aber noch unter dem 
stimmungen des Verfassungsentwurfs ciufnahiii. Ministerium HaHenpflug zweimal vertagt, nach 
Die Stände berief er jedoch nicht mehr, und ver- Hassenpfliigs Austritt aus dem Staatsdienst" und 
sä)iedene wichtige Gesetze wurden in Form von der Stände Wiederberufung 5.0kt.1837 unmittel- 
Verordnungen erlassen. bar nach der Abstimmung, zufolge deren die Ein- 
Wilhelm l. starb 27. Febr. 1821 , ihm folgte seiii nahmen der sog. Rotenburger Quart dem Finanz- 
Sohn Wilhelm 1l. (s. d.) in der Regierung. Durch minister überwiesen werden sollten, 10. März 1838 
ein Organisationsedikt vom 29. Juni 1821 wurde aufgelöst. Hassenpflugs Nachfolger, Hanstein, hielt, 
die Justiz von der Administration getrennt, der Ge- wenn auch minder schroff,doch diePrincipien des Vor- 
schciftskreis aller Staatsbehörden genau bestimmt gäiigers aufrecht. Auch die zweite Ständeversamin- 
und für die Regelinäs3igkeit des Staatshaushalts lung der dritten F-inanzperiode wurde 12. Juli ohne 
gesorgt; allein diese Organisation vermehrte die Verabschiedung entlassen. Der Landtag 1840-42 
obern Verwaltungsbehörden, dadurch den Kosten- wurde 25.Nov.1839 eröffnet. Der Regierung ge- 
aufwand, un-d entbel)rte der konstitutionellen Ga- lang es auch seht nicht, in den streitigen Finanz- 
rantieii. Hierzu kam iioch das Anstoß erregeiide fragen die Zustimmung der Kammer zu erhalten. 
Verhältnis des Kurfürsten zu Emilie Ortlöpp, die er Zii Ende 1841 war statt Hanstein Koch an die Spitze 
znrGr-iifiii.voiiReichenbacl) erhob. Am 6.Sept.183() des Miiiisteriums des Innern getreten und damit 
brach in'Cassel" eine Bewegung aus, infolge deren ein inilderes Element in die oberste Verwaltung 
am 7. eine Burgerbewassnung eingeführt wurde. gekommen. Die Wahlen zu dem Landtage der fünf- 
Brorkhaiis" Kondcrsati(ii:s-Lexikon. U. Aufl. R.A. IX. 7
        

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