Bauhaus-Universität Weimar

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werde, und bat, das; man ihn heraii-:-bringe. Kaum  mit einem Dr-uckgesi"ihl in der Hei-zgegei1d (PrakoiF 
war er heraus, so stürzte es ziisainnien. Als nun  dialangst). Bei hochgradiger M. können sichAiig,lt 
"),"shylakos, der Vater des Jphikl-o;-, von dem als-J  und Seeleusehmerz so hoch steigern, daß sieh diV 
Seher erkannten M. erfuhr, wie sein Sohn zur  Kranken um1edeii Preis davon zu befreien suchet! 
Nachkommenschaft gelangen könne, erhielt M. die  und so oft zu Gewaltthateu gegen sich und andere 
Rinderherde iind gewann so für seinen Bruder die schreiten; die Gefahr liegtdaun iiahe, daß derKranFc 
Tochter des Neleus. Später heiratete M. eine der durch Selbstiuoi-d endet. Die unkoinplizierte M. ist- 
Töchter des Proitos (s.  Königs von Tiryns?-, iiiid  abgesehen hiervon, eine der leichtern Geiste-3k1-aiik- 
erhielt ein Dritteil des Königreichs.  heiteii; ungefähr 60-70 Proz. der Fälle eiiden in 
Melampyrku, s. Dulcit.  Genesung. Diese wird durch Versetzung der .t"iranke1i 
 (grch.), Morbus niger I-Iippoc:i-atjs,  in geeignete, ruhige Verhältnisse (3iimeist in Au- 
das Blritbrechen; M. nconatö1-um, das Bliitbrechen  stalten) und durch geeignete Behandlung (-)karkotika, 
der Neiigeborenen.    laiiwarnie Bader ii. dgl.) erheblich gefördert. 
I-leidend, alter Name der Jnsel (-ourzola (s.   Melanchölisch heißt das Te-uiveranieiit (s.  
Melanämie (greh., c(Schwarzbltttigkeit))), eigen-  welches zu starken, aber laiigsani wechselnden Af- 
tilmlicherKrankheitszustand,beidenisichmilroskopisch  fekten iind zwar mehr zii Leid als zii Freude neigt. 
llei1ie schwarze, unregelmäszige, rundliche Pigment- Der M elan eh o liker ist ernst, in sich zurt'ickgezoge11, 
uioleküle oder größere Pigmeiitkli"inipchen im Blute beharrlich, zum Trübsinn iind zur Menscheufeiiid- 
sowie in gewissen Organen angehäuft vorfinden; lichkeit geneigt. 
namentlich in Milz nnd Leber, in Nieren und Lun: Melanrhthon oder M el a ii t h on, Philipp 
gen sowie in der Hirnrinde findet sich das schwarze (grc"i"cis"iert aus Schwai-zert), Liitl)ers Haiiptii1it- 
Pigment, das aus dem Blutfarbstoff infolge eines arbeitet-, geb. 16. F-ebr. 1497 zu Bretten in del' 
niassenhaftenZerfalls der roten Bliitkörperchen her- Pfalz. Als sein Vater, Waffenschmied des Pfah-. 
vorgeht, nnd bewirkt eine auffallende grauschwärz- grasen, 1507 starb, kam M. nach Pforzheiin in da-I 
liche Verfärbung dieser Organe; auch die Haut nnd  Haus seiner Groszmiitter, einer Schwester Reucl)- 
die sichtbaren Schleimhäute nehmen i1i schweren lins. 1510 bezog er die Universität Heidelberg, 
Fällen ein eigenti'imliches aschgraues Aussehen an. wurde 1512 Baccalaureus und ging dann nach Tü- 
Die M. ist fast immer Folgeziistand perniciöser bingen. Hier wurde er 1514 Magister, las übel' 
Wechselfieber und verläuft nicht selten ohne erheb- Aristotelisehe Philosophie, griech. uiid röm. Klass"ikC1" 
liche Funktionsstörungen; mitunter tritt aber auch iind schrieb eine griech. Grammatik. Auf Reuchlin-:s 
uiiter schweren Gehirnsymptomen schneller Tod ein, Empfehlung wurde M. 1518 Professor der griech- 
wahrscheiiilich durch die Verstopfuiig der kleiiien Sie- Sprache und Litteratur in Wittenberg, entwickelte 
hirngefaße mit Pigmentschollen bedingt. In andern in der Antrittsrede ccI)e c0rrigeni1js ac1oles(-entiae 
Fällen kommt es zu Eiweis3haruen, Blutharnen, zii stu(liis-) sein hiiinanistisches Programm ui1d si"il,)rtL" 
erschöpfeiiden Darmblutiingen uiid Diirchfällen, zu die-Jugend mit Eifer 1ind Geschick in die Welt  
akiiter Baucl)wassersucl)t und andern schweren Stö: llassisehen 2)lltertums ein. Früh schloß sich M. an 
riingeii. Die Behandlung -erfordert die Beseitigung Luther an -im Kampfe für das reine Evangelium: 
der Weihselsieber durch Chinin oder Arsenik, leichte  iuiiiier inniger wurde die Freundschaft beider und 
Diät und lttngern Gebrauch der Eisenpräparate.  bat trog vorübergehender Verstimmungen bis ZU 
Ite1a.nar3-Ia (-7s,1a.täa, L., Schmetterliug,  Luther-s Tode gedauert. Bei der Leipziger Disson- 
s. Dainenbrett nebst Textabbildiing.    tation war M. anwesend, und als seine Bescl)FS1J 
Melanchölic (grch., d. h. Schwarzgcilligkeits, bring derselben in einein Bi-iefe an Okolan1padiU-- 
Schweruiut, eine Form von 'priniärer Geistes- den  Eck zu einer C"ntgegiiii1ig veranlaßte, tr,c1k 
störinig,diedurchVorherrschenpeinlicher,depressioer  er offen fi"ir.Luther auf. Seine erste SchutzschriJt 
37lffekte und Stiniiiiiingen, durch eine kraulhaft ge: für diesen richtete. er 1521 unter. dem Namen Di- 
steigerte, schmerzliche Seeleiierregung charalteris"iert dhniiis Faventinus gegen einen ital. Geguc1s 
ist. Man rechnet die M. zii den sog. fiiiiktionelleu Luthers. 1521 Dei-itstauden aus Vorlesungen übel 
Geistess1öriingen, da sich bei ihr greifbare materielle den 2)tömerbrief feine ((L0ei commnnes return the0J 
Veränderungen des Gehirns-in der Regel niehtnach- 1og1c-in-iiin-) (in ihrer Urgestalt neu hg. von Pl1tIi 
weisen lassen. Das Krankheitsbild der M. ist zieiii: Aiifl.vonKolde,Lp3. 1E)00),die erste pi-ot.5,Dogmk1F 
lich verschieden. Es können leichtere und schwerere,  til, die dann in erweiterten Ausgaben erschieii,1b1J-" 
vorübergehende und periodisch wiederkehrende For-  sie 1543 fg. ihre desinitive Form erhielt. -Seine El(-p1' 
1iieu vorkoiunieu. Die schwerer ausgebildeten typi-  tome ctocti-jin-re -c1u-istjai3ak;)) (1524) bestimmte del! 
schen Fälle laHen mehrere Stadien des Verlaiifs"Z  Landgrafen Philipp von39essen,der ".)tef-or-1nation NO 
iinterscheiden, von denen das erste wesentlich durch anziischlies3en; sein ccUnterricht der Visxtatoreu ZU 
den depressiveu Gemi"itszustaiid, das zweite diirih die Pfarrherren im Kiirfi'irstentnm Sachseu))  
das Hinzutreteu eigentlicher Wahnideen charakteri:  eine Instruktion für die auf Befehl des Kiirfü,rstt"" 
siert ist, während im dritten ein Abnehmen der Er-  Johann des Bestc'tndigen vorgenommene ViIIJ)F 
scheinungeii nnd1"ibergang entweder tnHeilung oder  tioii der sachs. Kirchen, war die erste evang. Kit- 
11z unheilbare Formen sekundc"ii"er Geistesstörung then-1indSehiilordniing. Die ccAugsburgisii)eKv1!- 
(PChivcic17siiin) stattfindet. Als eine besondere Va- fesfion)) (l53i)) ist nur nach ihrer legten 82liisaxlW 
rietät des Krankheitsbildes ist die sog. Me1anelio1ia tung, dagegen die (cApologie der Augsburgisd,l"1 
UNDER-l ZU betrachten wobcidie .st"raiiken u1iter dein Konsession)) (1530) ganz seiii Werk. Durch dl9lP 
ETUfcUffe von Wahnborftelliingeii iind .tZ)alliicina- Arbeiten gewann M. in der prot. Welt ein so l)vl)l3-"" 
tion-en Stunden und Tage l)iiidurcti regungslos in  Ansehen, daß Franz l. von Frankreich und Heili- 
beftimniten Stellungeii verharren und den Eindruck  rich V1ll. von England ihn zur Ordnung der kirä7- 
  (K(1lcIleptischei1) dar-bieten. Jii lichen Aiiaelegenheiteii einluden. Diesen AuffvkVe- 
 F(31len tritt.n1ir eine (cobjektlose)) traurige rungen folgte M. nicht, dagegen nahm er iiiDe,11klEV- 
 häufig gepaart  land an allen wichtigen Verhandlungen zwtlck.W
        

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