Bauhaus-Universität Weimar

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nälen und abgeschlossenen Buchten glaubt man ins M. C-igentliche Meeresvögelgiebt es nicht, deine 
stellenweise die eigentümliche Erscheinung stehen- mindestens an das Land gehen, um zu brüten, die 
der Wellen zu beobachten. Theoretisch ist eine nieistenauchfliegenkönnen,dochsindvieleimübrige1I 
Welle eine stehende, wenn bei ihr in allen Teilen ganz (Pinguine, Alte, Sturmvögel) oder fast ganz 
des Strandes die Wellenphasen, z. B. Hoch- oder (Scharben, Möven) an das M. gebunden. Sänge- 
Niedrigivasser, zu gleicher Zeit eintreten. Man ver- tiere besuchen das M. entweder mehr gelegentlich 
sucht den Gezeitenverlauf im Englischen Kanal als (s. Meerotter) oder verlassen es nach größern PaulC1T 
stehende Welle zu erklären; ähnlich ist es mit den (Seehunde nnd :)iobben,  um an das Land ZU 
iinregelniäs3igen Strönuingen im Enripos. gehen, oder endlich sie verlassen es nie (Waltiere und 
Zu den Bewegungen des M. ehören auch noch Sirenen,  um das Land zu besuchen, haben aber 
die Strudel oder Wird el, welche entstehen, wenn Arten, die im süßen Wasser vorkommen oder in das- 
infolge der Ufergestaltnng das vom Gezeitenstrom selbe hineinschwimnieu. Auch diese größern Seetiel"s 
dahin geführte Wasser an einem Orte mit heftiger zeigen ebenso wie die Fische in den kaltem Meeress- 
Gewalt in kreisförmiger Bewegung hernmgetrieben ftrichen eine auffallende Vermehrung ihrer Judi- 
wird. Der berühmteste dieser Strudel ist der Mal- viduenzahl. Etwa gleich stark im M. wie auf dem 
ström (s.  Jm Altertum waren die Scylla nnd Lande und im Si"is3wasser zugleich mögen die Ord- 
(5harybdis gefürchtet. nungen der Schnecken und Plattw1"irmer vertreten 
Die Wissenschaft, die sich mit dem M. beschäftigt, sein. Hiiusiger und zum Teil sehr viel häufiger sind 
heißt OCSUNOgN1Pk)jS (i-   Fische, Muscheln,Moostierchen,Schnur- und:)iingeI- 
Pflanzen--nnd Tierleben. Die Flora des M. roürmer sowie Krnster im M. Fast aiisscl)ließl-teile 
(Meeresflora) ist arm im Vergleich mit der des Fest- Meeresbewohner sind die Mitglieder des Kreises 
landes. Während auf diesem von der Küste bis zu der Hohltiere, ansschlieszlich sind es die der Entero- 
der Grenze des ewigen Schnees nur wenig Stellen pneiisten (s.  Mollnskoiden (s. d.) und EchinO- 
ik11d- Wo Pflanzen nicht gedeihen, ist ihre Verbrei- der1nenund die Klassen der Kopffüszer, PfeilwürmeT- 
tnng, im M. eine nur beschränkte, bei 100m Tiefe Armfüßer,Horn-und Kalkschivamme,Hexaktinellide!1 
tret-en sie schon sehr stark zurück, bei 400m sind sie und Tetraktinelliden, Anthozoen, Scheiben- und 
verschwunden. Zugleich sind die Meerespflanzen, :)iippenquallen und Radiolarien. , 
wenn man zunächst von Diatomeen und den win- Die Zahl der das M. bewohne1iden Tierarten-ist 
zigen Formen, die das Plankton  bilden helfen, vielleicht geringer als die der Land und Si'is3wasieF 
absieht, an die unmittelbare Nähe des Landes, sei es bewohnenden zusammen, aber umgekehrt verhält es 
unfern der Küsten oder oberhalb der Untiefen gebnn- sich mit der Menge tierischer Substanz, da die See- 
den. Außer jenen winzigen Formen giebt es keine tiere vielfach in unendlich viel größern Scharen allj- 
pelagischen Pflanzen, denn die Tangmassen, die die tretenals die Landtiereund weili1n M.fürTierevöllIg 
Sargassomeere  bilden, finden sich nicht an der unbewohnbare Stellen kaum vorkommen (s. Plank- 
Stcjtte ihres C;ntftel)ens, sind vielmehr an fernen ton): in den größten Tiefen herrscht hier noch Ell! 
Küsten losger1s1en und durch die Strömnngen hier- reges Tierleben. Man kann die Tierwelt auch nach 
her zusammengetrieben worden. Die horizontale demGesichtspunktihi-esVorkommens unterscheiden! 
Verbreitung der Pflanzen des M. hängt von der 1) Gruppe der Gezeitentiere, zwischen den Gren- 
Polhöhe insofern ab, als sie im Gegensatz zu den zen von Ebbe und Flut. Sie sind meist stark be- 
Landpflanzen, gerade in den höhern Breiten eine panzert und haften fest an Felsen, Steinen u.s.1,V- 
reichere Entwicklung erlangen. Die Phanerogamen oder graben sich beim Trockenlanfen des Landes UT 
treten in der Meeresflora ganz aufzerordentlicl) den feuchten Sand und Schlamm ein, oder verstecken 
zurück, man kennt in ihr blos; 26 Arten, die samt- sich unter Steinen, Tangbüschelnu.i.w. 2)Kütten- 
lich den .85ydrocharidaceen (s. d.) u1id den Najada- tiere, die von dem Strich der tiefsten Ebbe bis IV- 
ceen (s. d.) angehören. Zahlt-eich hingegen sind weit, wie das Tageslicht in das M. eindringt und 
die Algen (s.  besonders die Tange, das M. Pflanzen in demselben vorkommen, ihre Vertretek 
ist ihr eigentliches Element. Die Artenzahl belaust hat. Entsprechend der Beschaffenheit der KüsWI 
sich auf mehrere Tausend.  Die Tierwelt des sind die Kt"istentiere wieder unter nch verschiede1I- 
M. (Meeresfauna) setzt sich aus Vertretern aller Bodentiere (z. B. Rochen, Plattfische  ruhet! 
Tierklassen mit Ausnahme der Amphibien und meist flach auf dem Boden, Felsentiere haften 
Tausendfüs3er zusammen, jedoch find die einzelnen an Felsen oder verstecken sich in deren Klüfle"- 
Klassen sehr ungleich vertreten. Sehr wenig zahl- Tangtiere hausen zwischen den Gebüschen der See- 
reich find Meeres?-"insekteii; sie leben als ausgebildete pflanzen, während Kot-allenrifstiere nur in del! 
Tiere (Käfer) oder Larven (Käfer, Fliegen) ent- Linken der Lagunen zwischen den Korallenba1ktC" 
weder in der unmittelbaren Nähe der Küste, oft in vorkommen. Alle diese verschiedenen Küstentiere 
d-er Gezeitenzone, oder pelagisch auf dem offenen M. sind in der Regel farbig und oft sehr bunt- U"V 
(s. Meerwanzen). Seiten sind auch Spinnentiere im ihre Färbung ist entweder eine Schutz- oder Waru- 
M., doch findet sich bei Neufeeland eine echte Spinne färbung. 3) P el a g i s eh e oder O b e r f l ei Eh S III 
und von Milben eine eigene Familie (s. Seemilben), tiere, die von der Oberfläche bis etwa 300 U! TM 
die an allen Küsten ziemlich artenreich zu sein scheint. vorkommen. Die meisten sind-durchsichtig und farb- 
FTMe besondere Ordn-ung,der Spinnentiere, die der los (selbst junge Fische) oder blau, besitzen sehr gut? 
BVktiogo1nden (s. Asselspinnen), ist auf das M. be- aktive oder als Sinkhe1nmnisfe wirkende Be1Veg1MgY- 
icbrünkt. Wahrs-eh-einlich gehören auch die Molul"ken- organe und hydrostatische Apparate in.Gestalt von 
 dIeie T1erk affe. Die Räder-tiere (s. d.) Luftkammern oder Oltropfen. 4) Pelagisch.e TcM,i7i' 
Jud IF! M: ,SkSkThfalls seltener als im si"is3en Wasser. tiere oder Sargafs otiere bilden die eigenart1gZ 
HEXE) JlCPUk1FU fMPeUf1ch nicht häufig im M.: echte Fauna der Sargassomeere (s.  Fast alle sind des! 
EEfVT,MeU sind die S-eeschildkröten (s.  die in- Farben des Tanges sehr ähnlich gefärbt,und bei"TkJs9-T 
delikt! 1h1'e END-UUf dem Lande legen, und die Meer- Klammer- und Haftorgane, wenn ne nicht überl)A"Pk 
iCk)kM1g9U  Euch Ktvkvdile gehen gelegentlich festsit-,end sind. 5) Tiefseetiere (s.Tiefseeleben)-
        

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