Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstförderung in der Provinz
Person:
Thiele, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-915056
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-915276
scheuszlicher dar, als es in Wirklichkeit sei, sie steige 
in den Rinnstein hinab und oersündige sich damit am 
deutschen Volke. nun sind zwar die Maler des Elends   
nur in kleiner Zahl unter den modernen; aber auch 
sie entwürdigen die Kunst nicht: sie matten nicht das 
häßliche, sondern sie durchbrachen mit ihren Werken 
den alten bösen Glauben, daß der Rinnstein 
nur häßlich sei. Denn sie fanden dort Schönheit 
und des Freuens werte Dinge. Wer das alte Dor- 
urteil von der Bäszlichkeit der niedrigen Dinge ge- 
dankenlos hinnimmt, wird sie nicht finden. ,,Jst es 
aber wohl Sünde," fährt August Endell, der junge 
Rünitler, dessen Worte wir anführen, fort, ,,ist es aber 
wohl Sünde, dem armen Klolke, das im Rinnitein sein 
Eeben ver!-ringt, zu zeigen, das; auch dort noch, in 
den entsetzlichen Winkeln der großen Städte, Schön- 
heit zu finden ist, Schönheit, die kraft geben kann, 
Elend und Qual zu überwinden?  . . Es ziemt dem 
Menschen nicht, die Welt in Schön und häßlich ein- 
zuteilen; überall ist die Welt schön, reich, seltsam, 
unerschöpslich, nur Eure Augen waren blind, und Euer 
Wille, Schönheit zu finden, klein und ängstlich!"    
Welche tiefe Liebe spricht aus diesen Worten für 
die .7lrmen, l12iihseligen und beladenen dieser Welt! 
Jst es nicht ein echt christlicher Gedanke, daß nicht in 
Gold und Purpur und Reichtum und Pracht die wahre 
Seligkeit, die wahre Schönheit, das wahre Glück 
liegt, sondern im Geringsten, im l2iedrigsten, im 
kleinsten, überall! Und Christus kam in einem Stalle 
zur Welt. 
,,.7Iber wenn auch die christliche Kirche längit nicht M, zu-zu; 
mehr allein das -Leben beherrscht, wenn sie auch längst IMME- 
nicht mehr lebendig ist in dem Sinne einer obersten, 
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