Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstförderung in der Provinz
Person:
Thiele, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-915056
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-915243
in Zhemnitz gesetzt. Ja wohl, unsere Klolksschul- 
lehrer, nicht die Lehrer schlechthin, nein, die an der 
Schule unterrichten und erziehen, der die breite Masse 
unserer Kinder zugeführt wird. Die Kunst dem Volke; 
dem ganzen Volke, dem nicht mit irdischen Schätzen 
begabten; die Kunst für Jedermann! Die Kunst in 
die Kreise hinein, wo sonst so selten eine wahre Sonne 
scheint! Die Kunst hindurchstrahlend durch Wolken 
sorgenvoller Tage und hineinleuchtend in den l2ebel 
öden .7llltagseinerlei! So lautet das Problem im 
Grunde; nicht als ob unsere sogenannten gebildeten 
 Kreise der echten Kunst auch ,,gebildeter" gegenüber- 
 ständen! 0, bewahre! Was bei unsern sogenannten 
kleinen -Leuten nicht wirken kann, weil es überhaupt 
nicht da ist, das wirkt bei den übrigen gar nicht 
oder schwach, weil etwas zu viel da ist. Dicht etwa 
Kunst, Kunstverständnis, Verständnis für den Kunstgenusz, 
 i bewahre! l2ein zu viel Wissen, zu viel Kritik, zu viel 
 Bildung! Weisen erste Frage vor einem Kunstwerk 
die ist: ,,stst das schön? Bntspricht das meinem Be- 
griff von Scho"nheit?", der verzicl)te nur aus Kunst und 
Kunstgenulz, bleibe bei seinem Glas Lagerbier, tauche 
seine Zigarre und spiele seinen skat weiter! Das ist 
ja die Durchschnittserholung auch unserer Durchschnitts- 
gebildeten; die kraft dieser Bildung sich soviel höher 
dünken als-  das (lolk! Wir haben zwar viel ge- 
bildete auch verbildete, aber wenig erzogene Menschen. 
l2icht Bildung sondern Erziehung ist die Hauptsache. 
Aber wie unsere Lehrer zu Schülern lieber Kinder 
haben wollen, die noch gar nichts, rein gar nichts vom 
Schreiben oder Kechnen verstehen, als solche, die von 
ihren stolzen Eltern mit der selbstbewuszten Devise: 
 kann schon i und u schreiben und sie kann schon 
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