Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bauherr und Bauunternehmer
Person:
Stieff, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-907504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-907932
S 
Begriff, wesentliche Bestandteile, Form des B-auvertrage5 
der zur Herstellung erforderlichen Arbeit. Auch transportable Holz- 
häuser fallen unter diesen Begriff. 
,,Bauteile" sind alle Einzelteile eines Bauwerks ohne Rück- 
sicht auf Umfang oder Bedeutung (z. BE. die Mauern, das Dach, 
der Putz, die Negenrinnen, di-e Türen und Fenster, Treppen, Oefen, 
Wasser- und Gasrohre), sofern sie nur einen materiellen Bestandteil 
der Gesamtarbe-itsleistung eines Baues bilden (RGE. Band 63, 
S. 313; NGE. Band 57, S. 377 und Band 69, S. 381: Decken 
von Dächern; OLGE. Band 22, Si. 310: Einbau von Zentral- 
heizung, Fußböden). Hierbei ist es gleichgültig, ob die Einfügung 
derlBauteile in einen Neubau oder ein schon fertiges Gebäude 
erfo gt. 
Unter den Begriff der Bauteile fällt auch die Vornahme von 
baulichen Aenderungen, Um-, An- und Einbauten 
(NGE. Warn. 1, zu Z 648; OLGE. Band 2, S. 283). Das Reichs- 
gericht nimmt jedoch für Um-bauten eine gewisse Einschränkung 
insoweit vor, als es sie nur dann als Bauwserke gewertet wissen 
will, wenn sie für die Konstruktion des Gebäudes oder Gebäudeteils 
von wesentlicher Bedeutung sind (NGE. Jur. Mach. 1913, 
S. 133). Diese Einschränkung erscheint nicht hinreichend motiviert, 
indes muß in der Praxis mit ihr gerechnet werden. Das wesentliche 
bei der Herstellung von Bauteilen ist niGt die Lieferung des 
Materials, sondern die Arbeit auf dem Bau, durch welche 
das Material dem Bau eingefügt wird. Daher stellt auch der 
selbständige Bauhandwerker, der lediglich das ihm vom Bauherrn 
geliefertc Material dem Bau einfügt, einen Bauteil her. 
Zweifelhaft ist die Frage, ob unter den Begriff des Bau"teills 
auch bloße Ausbefserungen fallen. Man wird diese Frage 
verneinen müssen, soweit durch die Ausbesserungsarbeiten nur ein 
bereits vorhand-enet Bauteil wieder in brauchbaren Zustand ver- 
seht wird. (Beispiel: Ausb-esserung von Fenstern und Türen). 
Muß dagegen ein Bauteil zum Zw-ecke der Aus-beIse-rang vorher 
entfernt werden und wird er durch die dann erfolgende Neparatur 
wieder neu gefchaffen, so richtet sich der Vertrag auf die Herstellung 
eines neuen Bauteils und ist daher als Bauvertrag anzusehen 
(Beispiel: Der alte ,Pußi wird abgeschlagen und neuer ,Puh auf- 
get-racht). 
Erst recht muß dies gelten, wenn die Neparaturen einen det- 
artigen Umfang haben, daß daidurxh faktisch ein neues Bauwerk, 
wenn auch unter BenuZ.ung alter Bauteile, geschaffen wird, also 
namentlich bei Wiederherstellung zerftörter oder stark befchä;digter 
Gebäude. 
Ueber Einzelfragen zum Begriff des Bauwerks vgl. Dekr- 
mann, Bauwerk und Bauwerkvertrag, Archiv für Burg. Recht 
Band 38, S. 169.  
        

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