Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Hütten-Geheimniß vom gerechten Steinmetzen-Grund in seiner Entwicklung und Bedeutung für die Kirchliche Baukunst des Deutschen Mittelalters dargelegt durch Triangulatur-Studien an Denkmälern aus Hessen und den Nachbargebieten
Person:
Drach, Karl Alhard von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-904245
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-904659
Fig. b auf Tafel XlV zeigt, bei der 2lbteikirche J-L Vermöge der auf Tafel III als Figur V mitge- 
zu 2lrnsburg benutzt, während das ebenda veran-  theilten Construction bestimmt die Diagonale BD" eines 
schaulichte Schiffshstem der in der Nähe davon gelegenen  über BD beschriebenen Doppelquadrats das JNasz 
und ohngefähr aus derselben Zeit stammenden Kirche  für die Breite des 1Nittelbaues zwischen den 
von Geisnidda1) durchaus nach Ouadraten con-  Thürmen; es ist damit zugleich die Gesammtbreite 
struirt erscheint. J der 1Vestfront der Kirche gegeben.1) Das Doppel- 
6"-YLT"D  quadrat BB"D"D hat aber auch die Höhe des Ge- 
Die uns zur Band gewesenen K)ülssmittel boten  sImse5 9fI1efert- an welchem da? Zwe1te Stockwerk 
nur sehr unbedeutendes Material zu Untersuchungen  der Thurme nach Oben absd?l1ef3t" 
darüber, welche Anwendung von der Triangulation  VOn dieser K30VkZ0nkAlen B"D" MS beginnt die 
und anderen geometrischen Constructionen während  TT"iA"9UIati0n3 ein V0PPeltrjfMS3el -"tefe,3"- dessen Seite 
der seither betrachteten Periode vom Beginne des  Ue der ThUrmbreite gleich Este Und dessen SC7?eikelf 
ge k,j5 zum Sehkrn-se de5 12, Jahrhunderts für die  jener Jä)orizontalen angehört, liefert mit der unteren 
Gestaltung des äußeren .kkirchenbaues gemacht  Basis se den Beginn des ZWeIken- n1kkdeV 0beI"en 
worden ist, namentlich konnte aus lä)essen nichts  I-eben SehlUßdeS dritte"Ges-Gottes Der T7?Ürme- 
r,dn z;e1ang in das Her-ejeh unserer z;ekraehkungen ge,  Von der letzteren Linie a'e' aus finden wir dann ein 
zogen werden, n,n5 Über die z;jkdnng der wen,  ebensolches neues Doppeltriangel  zur Be- 
front und die Gestaltung des Thurmbaues Auf-  ftimmU"9 des C"deS Vom fünften, Stockwerk be- 
seh1uß gegeben hätte. Der erste k,edenkendere Bau,  nutzt und gleichzeitig durch den Sche1telf" den Bogen- 
welcher bezüglich der Triangulirung seiner Thurm-  f17ieSim vierten bestimmt- 
fet9ade eine pküftmg gestattet, ist  Die Höhe des 1Nittelbaues zwischen den 
 Thürmen erscheint gleichfalls durch eine über der 
Wie ,,5tiftstiiVcI1e St. Peter ZU jFcit5IA1I.  Breite ed ausgeführte Doppeltriangulirung vermittelst 
Schon Vor dem Jahre 744 f0I1 in St-jtz1ak durch  der Gegenseite von ed normirt und die Lage des darin 
Bonifatius ohnweit des Ortes Geismar, wo er die  Unter den drei D0PPeIfenskeVn nngebWek?ken Besen- 
Donnereiche gefällt hatte, ein Benedictinerkloster ge-  f1"kefeS durch den Scheitel C ekneS Über der GesnMMk- 
gründet worden sein; aus demselben ging später ein  breite der wefkfWnk befek?1"kebenen gleke7?fekkkgen Drei- 
Chorherrnstift hervor, dessen Kirche nach mehrfachen  eCkS ABC- 
5erstörungen und Verwüstungen seit dem Jahr 112"1  Um bei der Thurmgestaltung Abwechslung zu 
äuszerlich die Gestalt annahm, in der sie gegenwärtig  erzielen und nicht vier gleich hohe Gefchosse auf- 
erscheint. Die Thurmsa(;ade gehört dem im genannten  einander zu setzen2), ist der Prospect des vierten 
Jahre begonnenen Neubau der Kirche an, und zwar  Stockwerks als Ouadrat gebildet. Das sechste 
ist darin der nördliche Thurm der älter-e.2) Die auf  ist an Höhe dann Wieder dem fünften gleich. Die 
unserer Tafel IX mitabgedildete3), die unteren Stock-  sämmtlichen Stockwerkhöhen lassen sich, wenn s die 
werke der Thurme und den JNittelbau grofzentheils F Thurmbreite von 20 rhein. Fuß bezeichnet und p das 
verde"ckende Vorhalle stammt, abgesehen vom Ober-  Ver-pendikel in einem darüber beschriebenen Triangel, 
geschoß und der Bedachung, welche dem Ende des  folgendermaßen mit diesen beiden Größen ausdrücken; 
vorigen Jahrhunderts angehören, aus der Zeit um 12;52.  es ist l1e : 2s-p, he : he, : p, he : s und he - he 
Nach den von uns vorgenommenen Triangulations-  - 2p-s. Neben s und p selbst treten also noch zwei 
versuchen kann, wie wir zeigen werden, den 2lusgangs-  shmmetris,ch zu ihnen gebildete 1Nafze auf. 
Punkt und das Grundmasz für die Gestaltung der  Die ganze Thurmfac;ade der 5ritzlarer Stifts- 
5agade die Thurmbreite BD : 8,Z0 Meter : 20  kirche erweist sich nach diesen Untersuchungen sowohl 
rhein. Fuß abgegeben haben.4)  bezüglich der Breitenmafze, als auch in den verti- 
   kalen 2lbmessun en als ein product einfacher 
 Baukunst Von  geometrischer Co1Zstructionen, welchen dieselbe 
T) In den ,,Baudenkmälern im Regierungsbezirk  Strecke Zum UUSga"9 gedient hat- 
CAssel" lesen wir Auf S- 52- -Aus dem Jahre 1171 ist der  Daß man, bevor eine in dieser 2lrt principiell 
schmähliche Verfall der ,,alten" Stiftskirche urkundlich constatirt,  ejnheitliche Durchführung gelang, zLMc"ichst nur den 
und es läßt sich mit Sicherheit nachweisen,.dafJ-, die jetzt. noch er-  Versuch gemacht haben wird, in den Uufrjssen de5 
haltene tiberwölbte roman1sche Pfe1lerbasil:ka vollständig einem       
Neubau zwischen 1171 und 12Z0 angehört.      An den er- F -KmYhenaUf3ern an em3elnen Stellen TrmngUl1- 
haltenen Theilen der ro1nanischen Pfeilerbasilika ist der während  kUngen ZU benU1Zen- ist seIbstVekftändlkCI?; Wir Unter- 
einer langjährigen Baufr"ihrung eingetretene Fortschritt von ein-  lassen es jedoch nicht, durch MitthejIUng der Westseite 
fachen zu reicher entwickelten und durchgebildeien Formen nicht  der schon Oben erwähnten aus dem 11. Jahrhundert 
zu verkennen. Ohne Zweifel ist der Bau mit der ThurmfaCade  stammenden 
begonnen worden."  
S) Die Vorlage bildet Tafel IV in Lieferung Z der früher   
sohon benutzten Publikation des Vereins für hessische Geschichte  
und jLandeskunde: ,,1Nittelalterliche Baudenkmäler in  1) In hessischem Maß beträgt die Länge von AB ziemlich 
Kurhessen".  genau 70 5ufz. 
O) Eine Bestätigung für die Richtigkeit der in AB ange-  2) Nach der in Moller"s Denkmälern auf Tafel VIII in 
nommenen Basis besteht darin, daß sich der 5uszboden der Kirche  Bd.1 gegebenen Ansicht der Castorkirche in Coblenz haben die 
genau in dieser Höhe befindet. T( deren Chor flankirenden Thürme vier gleich hohe Stockwerke.
        

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