Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Carl Ludwig Fernow
Person:
Gerhardt, Luise
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885501
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885964
 
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selbstverschuldeten Unglücksfall des Jägers hinzustelIen, 
so litt er dennoch fürchterlich unter dem Bewußtsein, den 
Tod eines Menschen  wenn auch unbeabsichtigt  ver: 
schuldet zu haben. Noch in späteren Jahren vermochte 
er nur mit Schaudern an jenes entsetzliche Ereignis 
zurückzudenken. 
Erst nach langem inneren Kampfe gewann er seine 
Ruhe wieder. 
Er war aber von diesem Momente an ein anderer 
Mensch geworden. Trotz seiner großen Jugend  er stand 
im zwanzigsten Lebensjahre  nahm sein Charakter eine 
ungewöhnliche Festigkeit an. Er wurde ernster, und es 
entwickelten sich jene eiserne Energie und Rechtlichkeit, die 
ihn während seines ferneren Daseins auszeichneten. Er 
legte fortan einen besonders strengen Maßstab an sich selbst. 
Seine Lehrzeit in Anklam war zu Ende, aber dem 
Herkommen gemäß verblieb Fernow noch ein Jahr lang 
für sehr mäßigen Gehalt als Gehilfe in der Apotheke. 
Nach dieser Zeit sah er sich genötigt, sein Bündel zu 
schnüren und den Wanderstab zu ergreifen. 
Die Werber waren auf den großen, wohlgebauten 
jungen Mann aufmerksam geworden, und er konnte sich 
nur durch die Flucht dem erzwungenen Militärdienste ents 
ziehen. Ein befreundeter Offizier warnte ihn selbst ein: 
dringlich vor der Gefahr, die ihn bedrohte. 
Er ging also über die Grenze und suchte mit dem 
wenigen Gelde, das er sich während der letzten Jahre 
mühsam zusammengespart hatte, seinen Weg in der weiten, 
ihm so gänzlich unbekannten Welt. 
Nach Blumenhagen zog es ihn nicht wieder, denn die 
greife Frau von Necker war gestorben und Suschen hatte 
sich verheiratet und war fortgezogen. Wohin2 vermochte 
ihm niemand zu sagen. Er hat nie wieder etwas von 
den Pflegerinnen seiner frühesten Jugend gehört.
        

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