Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Carl Ludwig Fernow
Person:
Gerhardt, Luise
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885501
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885895
 
Zeit mit Kopieren und Schreiben von Dingen zubringen, 
die ihn weder interessieren noch ihm in irgend einer Weise 
Nutzen bringen konnten, ja, er lief sogarHGefahr, bei dieser 
Beschäftigung all dasjenige, was er sich in den legten 
Jahren durch seinen eisernen Fleiß angeeignet hatte, wieder 
zu verlernen. Dazu kam, daß des Notars alte, unwirsche 
Schwester, die in dem jungen Menschen nur einen un: 
nützen Haus: und Tischgenossen sah, diesem gar keine 
Sympathie entgegenbrachte. Ihn zur Schule zu schicken, 
wurde gar nicht in Erwägung gezogen, denn in den Augen 
der beschränkten Person galt eine Beschäftigung mit Büchern 
als eine unnütze Zeitvergeudung. Der Notar war freilich 
anderer Meinung und bemitleidete aufrichtig seinen Pflege: 
sohn. Aber um des lieben Friedens willen wagte er da: 
riiber keine Bemerkung zu machen; dem herrischen Wesen 
der Schwester gegenüber war auch er machtlos. 
Erst bei einem Besuche in Blumenhagen, den er mit 
seinem Zögling bei Neckers machte, kamen die traurigen 
Verhältnisse des jungen Fernow zur Sprache. Susanne 
legte sich natürlich sofort energisch ins Mittel und machte 
der verbissenen alten Jungfer klar, daß Carl vor allen 
Dingen die Schule in Pasewalk regelmäßig besuchen müsse 
und nur in feiner freien Zeit zu einer anderweitigen Be: 
schäftigung angehalten werden dürfe. 
Solchem Machtspruch fügte sich wohl das alte Fräulein, 
bestand aber darauf, daß Carl, wenn er weniger für ihren 
Bruder und im Hause arbeiten dürfte, auch nur an zwei 
Tagen in der Woche die volle Kost bei dem Notar haben 
sollte. Sie erbot sich, noch ein Übriges zu tun und ihm 
für die andern fünf Tage Freitische in der Stadt zu ver: 
schaffen. 
Für Fernow brach jetzt eine recht trübselige Zeit an. 
Diese ,,AbfütterungenU, wobei der ängstliche und äußerst 
bescheidene Tischgenosse  Fernow getraute sich kaum satt
        

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