Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aufsätze zur Kunst
Person:
Grimm, Herman Steig, Reinhold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885480
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3585503
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sich 1527 zum letzten Male empörte. Michelangelo war da 
schon über die funfzig hinaus. 
Jch nannte ihn einen Freund der Familie. Genau ge: 
nommen hatte er jedoch nur Lorenzo nahe gestanden. Als 
Piero diesem folgte, verließ er den Palast, in welchem er eine 
Wohnung erhalten hatte, und als Piero vertrieben war, stand 
er mit einer entfernteren, verbannt gewesenen Linie der Medici, 
die jetzt in die Stadt zurückkehrte, in gutem Verhältnisse. 
Später war Soderini, welcher bis 1512 als lebenslänglicher 
Gonfaloniere die Stadt regierte und der den Medici besonders 
entgegentrat, sein Freund und Gönner. Unter Leo dem 
Zehnten war Michelangelo selten in Rom anwesend und hat 
nichts Nainhaftes für ihn gearbeitet, wenn ihn dann aber 
Clemens der Siebente benutzte, so geschah es deshalb, weil 
Michelangelo als der größte Künstler seiner Zeit jeyt weniger 
von denen geehrt ward, welche ihm Aufträge gaben, als er 
selber die ehrte, von denen er sie annahm. Er war ein freier 
Mann und bestimmte ohne Rücksichten die Seite, auf der er 
kämpfen wollte. 
Wie im Jahre 1494 wollten auch 1527 die Aristokraten, 
von welchen die Nevolution ausging, die Zügel allein behalten, 
wie damals wurden He auch jetzt von der allgemeinen Bürger: 
schaft iiberwältigt. Männer, welche Savonarola noch gehört 
und gesehen, waren in großer Anzahl vorhanden. Sie traten 
auf, es sollte wieder sein wie damals, die alten strengen Sitten: 
geset3e wurden erneuert, Prozesfionen veranstaltet, die alte Form 
der Regierung: das Eonsilio grande, wiederhergestellt. Michel: 
angelo war eins der Mitglieder der Staatskommission für 
militärische Angelegenheiten. Er drang sogleich auf Befestigung 
der Stadt. Capponi, der erste der drei Gonfaloniere, welche 
in den drei Jahren der Nepublik ans Ruder gelangten, erklärte 
sich dagegen. Es sei keine Gefahr in der Nähe, und die Be: 
festigung eine gefährliche Demonstration. Capponi gehörte zu 
den Aristokraten, aber er wollte so regieren, daß er allen Par: 
teien gerecht würde. Daran war schon Soderini zugrunde 
gegangen. Capponi war für die Freiheit der Stadt, für das 
Confilio grande, ein Anhänger Savonarolas, aber er wollte 
kein Bündnis mit Frankreich, doch dies Bündnis bildete den
        

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