Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aufsätze zur Kunst
Person:
Grimm, Herman Steig, Reinhold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885480
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3588485
Das 
Denkmal 
Kaiser 
Mlhelms 
YI., roße künstlerische Unternehmungen, die nahe bevor: 
: Z. stehen, schlagen an die Phantasie des Volkes. Viele 
 fühlen sich zur Mitarbeit berufen. Es ist dieser 
D Eifer natürlich und entspringt, bewußt oder unbewußt, 
dem Gefühl, daß Generationen und Epochen in den nach: 
kommenden Zeiten nach dem beurteilt werden, was sie an 
Bauwerken und Statuen hervorgebracht haben. Der Ruhm oder 
Unruhm dieser Schöpfungen, die als die freiesten und natiir: 
lichsten Äußerungen des nationalen geistigen Vermögens dastehen, 
fällt dann auch auf die zurück, die nichts mit ihnen zu tun 
haben konnten. So mag, da der neue Dom und das Denkmal 
Kaiser Wilhelms I. jetzt sich erheben sollen, dem einzelnen un: 
verwehrt sein, sich auszusprechen. Wie sollte der sich nicht 
gleichsam als beteiligt an diesem Denkmal betrachten, der den 
Kaiser gesehen und gekannt und dem seine Gestalt unauslösch: 
lich in die Seele geprägt sein muß2 Wem wäre sie das nicht2 
Der Verfasser dieses Aufsat3es aber fühlt sich auch deshalb 
berechtigt, seine Stimme zu erheben, weil er sich viele Jahre 
mit den Werken Schlüters und Schinkels beschäftigt hat und 
beschäftigen mußte. Auf die Gedanken dieser beiden Architekten 
Berlins möchte er, daß jetzt zurückgegangen werde. 
Berlin hat zwei große Umgestaltungen erlebt: unter dem 
ersten Könige Preußens durch Schlüter, und nach den Freiheits: 
kriegen durch Schinkel. Beide Male war der Anschein der Stadt 
den veränderten Verhältnissen anzupassen. Von beiden Archi: 
tekten wurde Größeres geplant, als zur Ausführung gekommen 
ists Schlüter legte außerhalb des eigentlichen Berlins jenseits 
der Brücke, die er baute, eine neue königliche Residenz an. 
Schinkel dagegen setzte mehr sich selbst im stillen die Aufgabe, 
die Stadt, die ein umfangreiches Areal bedeckte, ohne es aus:
        

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