Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aufsätze zur Kunst
Person:
Grimm, Herman Steig, Reinhold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885480
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3588453
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ständnis und der geistige Reichtum, den er beherrschte, noch so 
groß, er eröffnete Goethe nicht die Ausblicke auf Neues, die der 
Verkehr mit Alexander darbot. Wilhelm hat sich zum Range 
einer höchsten Autorität aus eigner Natur nicht erhoben. Er 
fühlte sich als Kommentator der besten Dinge, die von anderen 
geleistet worden waren, und als Förderer der edelsten Be: 
strebungen im Staatsleben, er sah sich umgeben von historischen 
Erscheinungen, deren er nie völlig Herr zu werden hoffen durfte; 
während Alexander vom Gefühl getragen werden mußte, in 
unbekannten Stoff zum ersten Male mit formenden Händen 
hineinzugreifen. Alexanders Sprache ist eine selbstgemachte. 
Die klasf1schen Meister der deutschen Literatur hatten wenig 
Einfluß auf ihn gehabt. Französische Elemente sind in sie ein: 
geflossen, aber es sind lebendige Sätze, die er mit in Frankreich 
gewonnenem schriftstelIerischem Geschick aneinanderreiht und mit 
denen er auf die weitesten Kreise zu wirken wünscht. Wilhelms 
Sprache läßt den Einfluß der lateinischen und griechischen Periode 
erkennen und rechnet mit denjenigen Lesern allein, denen Latein 
und Griechisch so vertraut sind wie ihm selber. Niemand, der 
den Text nicht verstünde, würde Wilhelm von Humboldts Über: 
set3ung des Agamemnon von Äschylvs zu lesen wünschen. Alexander 
trifft bis zuleZt den Ton des neuesten Tages. Sein Kosmos geht 
nicht an die Adresse eines begrenzten Publikums: er hatte einen 
Ervberungszug mit dem Buche vor, das für einige Zeit faktisch 
die ganze Welt beschäftigte. Wir wissen, wie sorgfältig er es 
für diese Aufgabe auSrüstete. Wilhelm hat nie von solchen Er: 
folgen geträumt. Populär, in gewissen Kreisen, sind nur die 
nach seinem Tode gedruckten Briefe an eine Freundin geworden. 
Hier breitet er allerdings vor einer Dame seine Gedanken aus, 
bei der die Studien nicht vorauszusehen waren, in deren Mitte 
er die Mußestunden für diese Briefe fand. Aber die Frau 
wußte sich doch mit einer gewissen ästhetiscJen Geschicklichkeit in 
der belebten Totenstadt zurechtzufinden, in der Humboldt zu 
Hause war. Wilhelm von HumboldtS Statue gehörte weniger 
vor die Universität, obgleich er bei deren Gründung 1810 in, 
erster Linie mit beteiligt gewesen ist, als vor die Akademie der 
Wissenschaften, in der nicht gelehrt, sondern nur untersucht 
wird. Indem er neben seinen Bruder an seine jetzige Stelle
        

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