Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aufsätze zur Kunst
Person:
Grimm, Herman Steig, Reinhold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885480
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3587513
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Mann, auf dessen Werke alsobald tausend kritische und geübte 
Augen sahen, und doch wurde seine legte Tragödie verkannt, 
Athalia verworfen, ausgepfiffen, um das Wort symbolisch zu 
brauchen; lange nach seinem Tode kam den Leuten das Ver: 
ständnis. Ein Zufall war es, daß die Schauspieler das Stück 
noch einmal auszuführen beschlossen, es hätte ebensogut unter: 
bleiben können. 
Ein solcher Zufall ist ein Glück. Wer aber das Gehein1: 
nis vorher wußte und seine Meinung nicht öffentlich mit 
Nachdruck auszusprechen den Mut hatte, fände darin keine Gut: 
schuldigung, daß er sich auf diese endliche Anerkennung alles 
Großen und Schönen als auf eine unausbleibliche Rotwendig: 
keit beriefe. Es wäre schöner gewesen, wenn Nacines Freunde 
nicht geruht und gerastet hätten, als bis es ihnen gelang, noch 
zu des Dichters Lebzeiten den Triumph der Tragödie herbeizu: 
führen. Es wäre schön gewesen, wenn Beethovens Anhänger 
zu der Zeit, wo Rossinis Opern den Meister in so große Ver: 
gessenheit brachten, daß die Konzerte, die er gab, nicht einmal 
zustande kamen, mit all ihren Mitteln die italienische Musik in 
ihrer schaumhaften Leichtigkeit Beethovens gewaltigen Dich: 
tungen gegeniibergestellt und diese in ihrem Ansehen aufrecht: 
erhalten hätten. 
Man braucht selbst keine bedeutende Persönlichkeit zu sein, 
um so für die gute Sache ins Feuer zu gehen; es genügt, daß 
man lebhaft die Größe des Gegenstandes und die Ungerechtig: 
keit der Welt ihr gegenüber empfinde.  Dies ist der Grund, 
weshalb ich für Cornelius auftrete, und es entschuldigt, daß 
ich meinen Namen öffentlich mit dem seinigen in Verbindung 
bringe. 
Meine Absicht ist, auf die Pflichten aufmerksam zu machen, 
die Berlin gegen einen solchen Mann zu erfüllen hat. 
Niemand in Deutschland stellt in Abrede, daß Cornelius 
der größte Künstler der Epoche sei. Jn geistigen Dingen 
bedeutet Deutschland heute so viel, als sagte man, die ganze 
Erde. Aber es wird behauptet, Cornelius sei kein Maler, 
sondern ein Kartonzeichner, man wirft ihm Mangel an Farbe, 
an Korrektheit und Grazie vor. Aber selbst seine Gegner, das 
heißt diejenigen, denen außer den Werken des Meisters auch
        

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