Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aufsätze zur Kunst
Person:
Grimm, Herman Steig, Reinhold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-885480
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3586108
105 
Gottes dem Durcheinandersprechen der Versammlung ein Ende, 
auf der Schule von Athen sucht Paulus sich Gehör zu ver: 
schaffen, auf dem Parnaß lassen Homers lautgesprochene Verse 
Stille entstehen. Von den übrigen Gestalten der Komposition 
ist zu sagen, daß, wie bei Disputa und Schule von Athen, 
Bewohner aller Jahrhunderte bis zu Raffaels eigner Zeit 
untereinandergemischt sichtbar sind und daß seine Absicht nicht 
war, eine systematische Geschichte der poetischen Literatur auf: 
zubauen. Jch habe unter den Dichtern der eignen Zeit, die 
Naffael porträthaft realistisch darstellte, nach Naffaels Vater 
gesucht, dem er hier wohl ein Plätzchen hätte einräumen können. 
Auf der Schule von Athen hatte er, ganz am Rande rechts zu: 
allerletzt noch Cdenn auf dem Mailänder Karton fehlt es; sein 
eignes Bildnis angebracht, auf der Disputa wird das seines 
Gönners Bramante gezeigt, auf dem Parnasse hätte der alte 
Giovanni Santi wohl mit untergebracht werden können. Viel: 
leicht ist er es worden, denn manches Porträt darauf bedarf 
noch der Erklärung. Ohne Zweifel wird Raffael das Bildnis 
seines Vaters, wenn auch nicht selbst gezeichnet, so doch von 
anderer Hand besessen haben, aber uns ist nichts Beglaubigtes 
darüber erhalten geblieben. II  . 
Bei der Schule von Athen fehlten, weniges ausgenommen, 
Zeichnungen, aus denen das allmähliche Herauswachsen der 
Komposition klar wird. Wer darauf bestände, könnte behaupten, 
sie sei von Anfang an so beabsichtigt gewesen, wie wir es vor 
uns haben. Beim Parnaß dagegen ist Material reichlich vor: 
handen. Wie bei der Disputa zeigen sich hier die EntstehungS: 
epochen verschieden sowohl in der Auffassung des Ganzen, als 
in der technischen Behandlung. Wie bei der Disputa verfolgen 
wir eine Entwicklung aus dem Einsachen ins Komplizierte, 
eine Zunahme an innerer Lebendigkeit der Gestalten, eine sich 
steigernde Verbindung jedes einzelnen mit den übrigen, sowohl 
denen, welche sich unmittelbar berühren als überhaupt mit dem 
gesamten Bestande, so daß jede in immer erhöhter Kraft den 
integrierenden Teil eines Ganzen bildet. 
liegen verschiedene Versuche vor, auf VafariS allgemeine An: 
hin die porträtmäßigen Gestalten des Parnaß zu erklären. 
II Es 
deutungen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.