Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Murillo
Person:
Justi, Carl Murillo, Bartolomé Esteban
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-870512
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-871621
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Die AlIerreinste. 
Man kann sich hier die Bezeichnung vapo1-oso gefallen lassen. Sie will sagen, 
daß er die Härten von Umriß und Fläche verfliichtigte, das; er zwischen Auge und 
Gegenstand das Medium von Luft nnd Licht schob, die das durchgelaszene Bild sich 
verähnlichcn  als verrauche die Oberfläche, ein farben- 11nd lichtgetränkter Dunst, 
als seien die farbigen Gestalten nur eine Erscheinung der Lichtbrechung in jenem grauen 
Medium, wie der Regenbogen auf der Regenwand. 
Die Farbenharmonie ist vom feinsten Geschmack. Er stellt warme lenchteude 
Farben, von satter Tiefe, zusammen mit kühlen oder in Gran gebrochenen, und 
zwar sind diese meist dem Raume nach überwiegend; eine sehr lebhafte Farbe von 
kleinem Umfang (z. B. grün, karmesinrot) schiebt sich dazwischen. Weis; giebt den Maß- 
stab siir-Wert und Ton. So finden sich z. B. Granblau, Granviolett, Lila neben 
Gelb, bald hell, bald dunkel. Tiefes Grün und Blaugrün neben Triibrosa mit breiten 
blossen Lichtern; Dunkelblau nnd Orangebraun, Hellblau nnd Psirsichblüte. Jn 
unserem Bilde der heiligen Anna herrschen gelbe und gelbbraune Tinte-n, nebst mattem 
Karmesin und wenig Grün. 
So kann Murillo in Tagesbildern ganz sarbig sein, ohne ueutrale Zwischen- 
lagen, und wird doch nicht bunt. Die der dunklen, kalten Seite des Farbenkreises 
angehörigen Werte verleihen der Harmonie Vorneh1nheit; die warmen, hellen, zusaunnen 
mit den Lichtdurchbrechungen des Grundes, zwischen Wolken oder durch ein Thor nach 
dem hellen Marmorhof, geben die Heiterkeit der: Lichtsülle. 
Die .;U1erreinste. 
Die Reinheit (I-a Pan-zu, I-o. Purisim-.) nannte man in Spanien die Dar- 
stellung einer Glanbensmeinnng, in deren Geschichte MurilIo's Vaterstadt eingegriffen 
hat. Die Barstißer hatten seit Dnns Scotus die Verteidigung dieser Lehre zur 
Ordenssache gemacht; für Kirchen ihrer Religion hat MurilIo die zwei für seine Kunst 
so wichtigen, Anfang und Ende seiner Laufbahn bezeichnenden Gemiildect)klen ge- 
arbeitet; unter ihrem Einfluß ist er auch ,,der Maler der Conceptionen" geworden. 
Seine früheste und die in mehr als einein Sinne großartigste Verdolmetschnng dieses 
Mhsterinn1s befanden sich in S. Francisco el Grunde.     
,,Darstellungen einer Glaubensmeinnng"  eigentlich war die Jtinj,cieIlada" 
Coueepeion ein theologischer Begriff, für die Kunst undarstellbar. Jahrhnndertelang "ist 
sie nur mit Hilfe der Syn1bolik gemalt worden. Die 1nittelalterliche, geschichtlich- 
legeudarische, andeutende Darstellung der En1pfängnis Maria  durch die Botschaft 
des Engels nnd die Begegnung der Eltern an der Goldenen Pforte (bekannt aus 
Diirers Marienleben)  war längst nicht mehr im Geschmack der Zeit. Schott im 
Juni, Mut-illa. 7
        

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