Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Murillo
Person:
Justi, Carl Murillo, Bartolomé Esteban
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-870512
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-871595
48 Murillo. 
Hellgrün, Dunkelrot das Auge erfrischt. Dazwischen drängt sich, in vollem Licht aus- 
gebreitet, der Hanptgegenstand auf: die himmlische Stickerei. Ein Maler von heute 
würde mit wenig Änderungen aus dem Prälaten einen alten Tuchhändler machen 
können, der Se1"1ora einen reichen Stoff anpreisend; wie in Wilkies bekanntem Gemälde 
des Hausierers. 
Nicht oft hat er die Dolorosa (1-a VI:-gen de los Do1o1-es) gemalt: im Prado 
als Pendant zum Eeco-Homo (896). Ergreifeud war das auf der Guildhall-Aus- 
stelIung von 1901 erschienene Bild (Gaston Linden). Die silz3ende Gestalt hat die 
Arme ausgebreitet, wie flehend, mit ausdrucksvolIer Fingerbewegung. Aus den großen, 
dunklen, nach oben gewandten Augen spricht tiefer Gram. Ein schwacher gelbbrauner 
Schein umfließt das Haupt. 
Nur ein einziges mal hat Mnrillo das Kind Maria gemalt, als Schülern! 
ihrer würdig hohen Mutter (Prado 872). Wenn es dem alten Pacheco gelungen wäre, 
das Motiv in den Geruch der K"eherei zu bringen, so hätte diesem Gen1älde dort ein 
ähnlicher Erfolg beschieden sein können wie der Messe des Marcellus, mit der einst 
Palestrina das Vorurteil der tridentinischen Väter gegen das musikalische Hochamt be- 
siegte. Die zwölfjährige Maria ist gewiß das Bildnis eines Töchterchens aus edlem 
Hause; die Züge, die fein gebogene Nase kommen nirgend sonst vor, auch der Haarputg, 
ist n1odisch, der einzige Schmuck die Rose. Die klugen braunen Augen, forschend auf 
die der Alten geheftet, erinnern an das Wort: Maria bewahrte alle diese Worte in 
ihrem Herzen. Wir glauben ihr anzusehen, daß sie auch Fragen stellen wird die 
jede andere Lehrerin außer der heil. Anna in Verlegenheit bringen würden. Es ist 
gerade das Alter, wo bei diesen Kindern des Südens das Flämmchen der Jntelligenz 
am lautersten brennt; später machen es L-iebesromane, Bigotterie und das Fehlen ver- 
nünftiger Beschäftigung trüb und qualmig. Aber der Kunstfreund denkt kaum an der- 
gleichen. Das aus den letzten Jahren ftammende Bild ist eines der besten Beispiele 
des Systems, das Mnrillo bei passenden Gegenständen damals befolgte. Es ist ein selbst- 
geschaffcnes System, verschieden von dem venezianischer und niederländischer Koloristen. 
Auf neutralem Hintergrund, einem mehr oder weniger hellen durchfcheinenden 
Nebel vergleichbar, sei es als einförmig leere Fläche, oder als wolkenbedeckte Ferne  
auf diesem farblos kühlen Grunde kommen die Gestalten hervor, ziehen das Auge an 
durch die Klarheit nnd Sättigung ihrer pastosen Farben, ihrer wechselweife sich hervor- 
treibenden dunklen und hellen, kalten und glühenden, gesättigten nnd gebrochenen Werte. 
Auf dem Antlitz sammelt sich das volle, immer warme Licht, die Haut durchtränkend. 
Ein diiunes, schleierartiges Schultertnch von graugriinlichem oder granpurpurnem Ton 
trennt den Hals von den lebhafter gefärbten Stoffen des Kleides.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.