Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Murillo
Person:
Justi, Carl Murillo, Bartolomé Esteban
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-870512
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-871324
Heilige Kinder. 
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herunter, benutzen sie auch als Spielplatz, wie Erdenkinder Heuhanfeu; schleppen das 
Reisegepäck der Lilien und Rosen, PalInzweig nnd Spiegel, eilen jubelnd voran und 
kommen begrüßend entgegengestürmt. Wie ein Schwarm Zugvögel auf ihre Jt1selftati0U 
niederfällt, brechen sie plöt,3lich in die einsame Zelle, staunend, scl)aubegierig lehnen sie 
in behaglichen Zuschauerposen über die Wolkenbriistung, an der Betrachtung dieser 
wunderlichen Eingeborenen des kleinen Wandelsterns sich ergöt;end. Seltener dienen sie 
als beseelte Reflexe des Vorgang-Z oder als instrumentale Begleitung seiner Wirkung 
durch deren Aufnahme ins Bild. Sie sollen es beleben, ohne es zu erweitern und 
seine Einfachheit aufzuheben. Auch wo sie süß oder ernst sind, bleiben sie doch durch 
echte Kindlichkeit wahr, iiberzeugeud. 
Jm Jahre 1656 schuf Murillo ein unvergleichliches Bild, den Heil. Antonius fiir 
die TaufkapelIe der Kathedrale. (Fig. 10). Am 21. November wurde es aufgestellt, er er- 
hielt vom Kapitel 10000 Realen. Eine Apotheose der Kindheit, als irdische Erscheinungs- 
form des Göttlichen. Es war erst ein Jahr, seit er dies höchste Ziel seiner Wünsche 
erreicht, den Zutritt zum größten Tempel Spaniens. Man sieht ihn nun, wie er anf- 
geregt durch einen solchen Austrag  eine 51J, Meter hohe Leinwand!  in den 
dämmerigen gotischen Hallen auf und abschreitet  
im weiten, versteinten, öden Palmeuwald, 
wo farbengliihende Gestalten flandrischer Glasn1alerei das lichtdurstige Auge nach oben 
ziehen. Da ist ihm diese Lichtoffenbarnng aufgegangen. Das eigentliche Altarbild 
dieser Kapelle war ja die Taufe des Heilands im Jordan, aber sie geuiigte nicht 
mehr. Sie hängt hoch oben unter dem Gewölbe, nun als ein bekrönender Zusatz seines 
neuen Bildes. 
Der junge Lissaboner Franziskaner kuiet tief unten in einem marmorgepflasterten, 
fenfterlosen, fast leeren hohen Raume, der von einer nach dem mittaghellen Kreuzgang 
sich öffnenden Thür fein Licht empfängt. Dieser Durchblick gen1"igte dem Ortskundigen, 
den Eindruck eines weiten marmorbleicheu patio zu geben, in vornehmen! schmucklofeu 
PalIadiostil. Hoch über dieser Thür öffnet sich eine zweite und größere nach einem 
ganz anders beleuchteten Raum; freilich nur im Kopf des Mannes im Dunkel da 
unten. Den n1agischen Schlüssel zu dieser Thiir fand der Mönch in einem auf dem 
wie es scheint einzigen Jnventarstiiek der Zelle, dem eisenfüszigeu Tisch (mesa do 
horrajo) ausgeschlagenen Folianten, dessen verziickende Wirkung der Lilienstt-aus; in der 
Vase versinnlicht. Diese zweite Thiir also ist ein großer Wolken:-ing, den eigentlich die 
Zelle nicht faßt, ein Kreis von Engeln, kleinen nnd erwachsenen. Links in seiner 
äußeren Rundung erscheinen sie in Dunkel eingetaucht, rechts in der inneren Fläche 
hell Vkfkkahlt. Dieses Licht kommt von einer Sonne,  oder vielmehr, es ist eine. 
LikhkikMße, deren Bahn bis in die Region ewigen Sonnenscheines hinaufreicht,.und: 
4"  
        

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