Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Murillo
Person:
Justi, Carl Murillo, Bartolomé Esteban
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-870512
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-871090
Muri1lo. 
sind merkwürdig als Versuche dekorativer Zimmermalerei. Da liebt das Auge über 
endlos auseinandergehende Flächen zu gleiten, in Fernen träumerisch auszuruhen. Die 
hineingesetzten Figuren sind nicht viel mehr als Staffage. Reizlos sind diese weiten, 
bleichen, leeren Gefilde, in kaltdiffusem Tageslicht, nur durch ein paar mächtige Bäume 
belebt, von echt spanifcher Wildheit. Ja dem Hauptbild (Grosvenor House), Laban 
der die gestohlenen Hausgötter in Jakobs Zelte sucht, sieht man sich versetzt in eine 
solche Wildnis, ausgedehnt und unheimlich: ein Thalkessel ohne Fernblick, schatten- 
los und doch ohne Luft und Licht, unter einem von weißer Wolkendecke verschloszenen 
Himmel; aber auf der kahlen Bühne bewegen sich farbenleuchtende, muntere Figuren. 
Laban scheint sein Bedauern auszudrücken über die ihm peinliche Visitation, Jakob 
weist mit dem unwilligen Stirnrunzcln der verkannten Unschuld auf die am Boden 
ausgebreiteten harmlosen Jnventarstücke. Die Schuldige, die schöne Rahel, .Hauptfigur 
und beßere Schauspielerin, sieht dem Vater offen freundlich ins Auge. Lea und die 
Aja drängen sich hinzu mit der holden Kinderschar, die den großväterlichen Scharsblick 
durch Sentimentalität umnebeln soll. 
Zwei andere Stücke der Serie kamen 1811 in die Ermitage. Im erfchlichenen 
Jsaaksegen nimt fast die Hälfte die Patriarchenresidenz ein, deren Jnneres sich in 
einem großen Bogen öffnet. Dieser öde Steinbau ist kahl und unwohnlich wie ein 
andalusisches Bauernhaus. Der alte Herr hat sich im Bett aufgerichtet, in würdiger, 
sanftgebeugter Haltung; Rebekka beobachtet sorgenvoll ihren Jakob, ob er die ein- 
gelernte Rolle glücklich zu Ende führen werde. Draußen die Magd aus dem Wege 
zum Brunnen-sieht schon den heraneilenden Erstgeborenen.  Ein ähnliches kleineres 
Bild ist in Apsley House. 
Jn der Jakobsleiter ist noch nichts vom Reiz des Visiouären. Der Maler 
zeigt uns eine buchstäbliche Holzleiter, gelehnt an ein feurige-s Loch im Himmel-8boden. 
Aber die fünf jugendlichen Gestalten, in anmutig-geschästigem Drängen auf- und ab- 
schwebend, hätten dies Instrument offenbar gar nicht nötig.  Die Geschichte mit den 
bunten Stäben war in der längst zerstreuten Northtoick Galerie. 
Vollends in die Gauner- und Bedientensphäre der Gnzman und Gil Blas 
findet man sich versetzt beim Verkauf Joseph(-Z (Hertford Houfe), einem der wenigen 
(kalligraphisch) bezeichneten Bilder: B. J!-fees-illa f. Der väterliche Liebling ist ein böser 
Bube, der sich gegen die über ihn verhängte verdiente Züchtigung ungebärdig plärrend 
sträubt: man tritt noch eine Stufe unter ähnliche Seenen eines Valentin und Cavalier 
Calabrese. Die Gegenwart  der Schelmenroman  hat auch hier ihr Licht auf die 
Vergangenheit geworfen: der E-rzvater wird zum Patriarcheu der picaros. 
Daß es aber der Stoff war, der ihn ans diesen niederen Erzählungston brachte, 
zeigt das kleine JdylI, Elieser und Rebekka im Prado (855). Keine ächtere Dorf-
        

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