Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Murillo
Person:
Justi, Carl Murillo, Bartolomé Esteban
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-870512
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-872142
Gemiilde kleineren Umfangs. 
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Jüngling übrig geblieben, wieder vom weiten Mantel der alten väterlichen Liebe um- 
fangen wird, hatte er auch für die Gemäldegrnppe der Caridad ausgewählt.  Tiefe 
warme Schatten, helle klare Fernen, leuchtende Farben treiben sich wechselwirkend hervor, 
alles ist reich, volltönend. Hier erbleicht die Farbe im Licht, dort glüht sie aus dem 
Dunkel hervor; hier schwebt eine Gestalt, modelliert im Schattenlosen, auf duftiger Ferne; 
dort springt sie mittelst Rand- und Dreiviertelschatten plastisch hervor,  alles aber 
durchsichtig, harmonisch, bewegt, gewählt.  Eines dieser Bilder war eine Zeitlang in 
der Vatikanischen Galerie; vier Skizzen sind im Pradomuseum. 
Der Ruf der Gemälde für die Kapuziner in Sevilla bestimte deren Ordensbriider 
in Eadiz, ihn dorthin zu rufen. Hier soll ihm ein UnfalI begegnet sein, ein Sturz 
von1 Gerüst; er vermochte das Hanptbild, die mhstische Verlobung der heil. Katharina, 
nicht zu vollenden. Den heiligen Joseph mit dem Kinde und S. Franciscus vor dem 
Kreuz, die Erzengel Michael und Gabriel, hat dann sein Schüler Meneses Osorio aus- 
geführt. Jenes Mittelbild erinnert an die Vision des heil. Jldefonso. Ein breiter Strahl 
stellt die Hauptgruppe in gleichmäßig sonuiges Licht. Die Haltung ist überhaupt hell; 
die Farbe tritt zurück, nur das scharlachrote Gewand der Maria leuchtet. Die Typeu 
der fünf stattlichen braunen nnd blonden Engel nnd der Heiligen von Siena sind un- 
gewöhnlich. Deshalb berührt das Bild etwas fremdartig. Allein in Cadiz war er ja 
auf Modelle des Ortes angewiesen. Also bis an die Schwelle des Grabes, mit seiner 
unglaublichen Leichtigkeit, nach solcher Praxis will er keine Malerei de pratica liefern. 
Die himmlischen Mädchen sind von entzückender Lokalfarbe, nicht alle schön, aber jugendlich 
zart, 11nd von einer orientalischen Weichheit in Zügen und Haltung. Unter krausem, 
schwerem, schwarzem Haar, schwarze Augen mit schmaler Lidspalte, ernster Mund. Eine 
etwas trübe Stinnnung geht durch: als seien es Geschwister nnd Busen, die sich hier 
die Freundin nun für immer geraubt sehen. 
Nicht ohne Bewegung kann man dies letzte Gemälde betrachten. Das Kapuziner- 
kloster (jeht Jrrcnhaus) liegt am hohen Kai, das Grollen der Brandung des Oeeans 
dringt an den Ufermanern hinauf und wie ferner Donner in die stille Kirche. Möwen- 
schwärme flattcrn im Gischt, nach den emporgeschleuderten Fischen schnappend; aber die 
Gedanken ziehen hin nach Westen, auf den Bahnen des Colnmbn-Z, hinweg von einer 
altcrnden Welt. Dort stand ich, am 22. Januar 1873, ein einsamer Wanderer, in den 
Tagen wo schwere Gewitterwolken des Vürgerkriegs Spanien verdüsterten, und gedachte 
wie hier am Ende Jberiens, wo die Sonne Europas in den Wogen der Atlantis versinkt, 
Murillo"s Lebensschiff nach langer und glücklicher Fahrt bestimt war, zu strandcn, 
zu zerschellen.  
In einer Kapelle seiner Pfarrkirche von S. Cruz zu Sevilla stand über dem Altar 
eine Tafel der Kreuzabnahme, von Peter de Kempeneer aus Brüssel. Jn diesem
        

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