Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Murillo
Person:
Justi, Carl Murillo, Bartolomé Esteban
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-870512
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-871942
Die Kirche der Kapuziner. 
Die ..Fkirct)e der .Hapuziner. 
Bald nach Vollendung der Caridad wurde Mnrillo ein noch umsaszenderer Kreis 
von Gemälden übertragen, sein letztes Unternehmen dieser Art: die Altarbilder für die 
im Jahre 1670 vollendete Kirche der Kapuziner, vor dem Thor von Cordoba. Dort 
hatte man den Altar der Bildhauerei vorbehalten; hier ward ihm der ganze um- 
sangreiche Retablo mayor übergeben, kein stolzerer Auftrag konnte einem spanischen 
Maler zu Teil werden. Wie seine erste große Gemäldesolge, so war auch diese letzte 
der Religion des heil. Franziskus geweiht. Aber wenn er in jenen frommen Anekdoten 
des c1ausrro chico, erzählt im Volkston, im Vorhof verweilte, so betritt er hier gleich- 
sam den Ahne11saal und das Adyton: heroische Gestalten des Ordens, Gnadeuer1vei- 
sangen, Mysterien. 
Der Aufbau dieses großen Retablo erinnert noch an die mittelalterlichen Flügel- 
altäre. Das Mittel- und Hauptgemälde enthielt das ,,Jubiläuni des heil. Franziskns", 
zur Seite die Stadtpatrone: S. Justa nnd S. Rufina (sie halten zwischen sich ein großes 
Modell der Giralda, des Wahrzeichens von Sevilla), S. Jsidor und S. Bonaventura, 
über ihnen der Täufer und der heil. Joseph, und in ViertelelIipseu die heil. Felix und 
Antonius, beide mit dem Jesuskinde. Über dem Tabernakel war ein Muttergottesbild 
und ein Verouicabild, La san-ca Faz, in Oval, ein sch1nales Antlitz mit leirhtgebogener 
Nase und kleinem Mund, die niedergefchlagenen Augen von tief schmerzlichem Aus- 
druck (jetzt bei Lord Wantage). Dazu der vorher angeführte Crucifixus auf dem Kreuz 
des Altars. Über Nebeualtären erscheinen jene Mönche noch einmal in erweiterter 
Komposition; ferner vier Stücke aus dem Marieuleben: Empfäugnis, Verkündigung, 
Hirten, Klage. Der Ordensstifter vor dem Gekreuzigten, die Almoseufpende des heil. 
Thon1as von Villauueva. Und im Presbyterium S. Raphael nnd S. Michael; eine 
zweite Conceptiou. 
Bis auf wenige sind diese Werke glücklich durch die Stürme des Jarhunderts, 
dank dem thätigeu Eifer des Kanonikus Lopez Cepero, wenigstens der Vaterstadt gerettet 
worden und im Museum vereinigt. Man ist also in der Lage zu sehen, wie Mnrillo 
gegen das Ende seiner dreißigjährigen Meisterschaft gemalt hat. 
Kommt man von der Caridad, so ist der Abstand ansfallend genug. Der Wechsel 
figureureich belebter, oft farbenheiterer Historien ist verschwunden. Zum Teil sind es 
abgeschloßene Einzelfigureu; wo zur Handlung eine Mehrzahl gehört, erscheinen wenige 
Nebenpersonen nnd mit Fleiß zurückgedrängt. Jn vielen war er durch den Gegen- 
stand, z. B. die braunen Kutten, auf die einfacl)sten Farben beschränkt. Die Pinsel- 
führung ist breiter, rascher als sonst, und meist fehlen ganz Lasureu und Abtönuug. 
Man hat sie mit Tiziaus Alterswerken im C-scorial verglichen. Wenn man indes als 
Jnstt, Mnrillo. 10
        

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