Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rembrandt
Person:
Neumann, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868606
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4410958
Ikh kann Dis- gzk nicht sagen, wie dagegen das Snde Shahespearescher 
Trauerspiele, auch seiner politischem- das Herz erfüllen und bewegen." Das 
höchste Lob, das sie findet, ist, Schiller sei im T(Iallenstein ,,goethesher" 
wie jemals""). 
In diesen Ideen erscheint der Triumph der neuen Lehre über den 
R.ationalisn1us des achtzehnten Jahrhunderts als ein vollständiger. Euch 
ist sie in dieser Fassung populär geworden und hat die allgemeine Vor- 
stellung von ,,genialem (K1esen" bestimmt, worin die gemeine Oeinung zur 
Stunde das In1pr0viIiM-OÜhe10se, das Jnspiriert-(Inbewuszte und )Zaunisch- 
Originale zu erblichen liebt. Faulheit ist eine echt romantische Sigenschast. 
Die starke Einseitigkeit des so gekas3ten Geniebegrifss erhellt am schlagendsten, 
wenn man ihn auf Rembrandt anzuwenden versucht. Die rastlose Beobachter- 
arbeit, der ausdauernde Hrbeitsfleisz, die Leidenschaft für die handwerhlichen 
und technischen Probleme, die ccmständlichl-seit seines Verfahrens sind fast 
das Gegenteil jener romantischen Postulate. In -den mannigfaltigen Zu- 
ständen, durch die seine Radierungen hindurchgegangen sind, in den ver- 
schiedenen Stats der I"2achtwache, die wir zu rehonstruieren versucht haben, 
zeigt sich eine so grüblerische Ueber-legung, dass die starke I)olis kunst- 
verstand, die neben dem Genius in engerem Sinn sich geltend macht, jedem 
ausfallen wird. Während nach romantischer kehre die Jugend als die Zeit 
ungebändigter Triebe und unbewußt wirkender Kraft die eigentliche Genie- 
phase ist, wofür man die vollendeten frühwerl-re von Goethe, Schiller, 
S-:hopenhauer, Schubert anführen kann, fängt Rembrandt mit tüftelnden 
Versuchen und Oiniatu1-en an und bewegt sich lange Jahre zwischen den 
S:tremen subtiler Harmonien und dämonisch leidenschaftlicher l3esessenh"eit,i 
um darnach endlich seinen Genius zur ganzen Freiheit und Tiefe seines Gehaltes  
sich entfalten zu lassen. Srwägt man weiter, daß etwa bei Goethe das Machs- 
I) l-km-0line, herausgegeben von Sees-g T1"s.itz l 21y f. 25s. Das letzte Zitat Tit aus 
sinem Brief an l2ovali- nnd Hebt in dem kleinen I1acbtkag, den Weit: 1882 gab, I-Im-o1ine 
und ihre Freunde, S. 4s. 
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