Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rembrandt
Person:
Neumann, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868606
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4410690
lichtes genannt haben. Das mystische Smpiinden, daß alles Rörperlichenur 
eine Vers-eleidung g"o"ttlicher Mächte, daß überall die G0t1eSt1ähe zu spüren, 
und daß das IIid7t ihr Bote sei, beherrscht alles. 
Diese Hrt religiöser und theosophischer Spekulation muß in Rem- 
brandts innerster I2atur gelegen haben; je mehr sich sein Wesen vertieft, und 
andere Sigenschaften als etwas ihm Heußerliches und Vor-übergehendes zurück- 
treten, as-izentuiert sich der mystische Zug als ein dauernder und wesenhafter. 
ej- mag durch eigenste (-Erfahrungen genährt worden sein, worüber wir so 
wenig ein ausdrüdaliches Zeugniß besitzen wie über die Dahrung, die er von 
außen erhielt und vielleicht suchte. Mir lind lediglich auf Ver-mutungen 
angewiesen.  
Lange bevor Rembrandt das l-kabbalistisch-mystische Buch 1I2anasses 
illustriert hat, in dem die Vision Daniels und seine Deutung von Uebu- 
liadnezars Traumbild behandelt werden, hat er demselben Buch Daniel eine 
Anzahl Stoffe entlehnt. Die Geschichte Belsazars und des Oenetelael, die 
Geschichte von der Srscheinung des Widders mit den sieben Hörnern stammen 
aus dieser Quelle, deren apolealyptische Rätsel immer neu sich anstrengende 
Deutung heraussorderten. Der spintil"1erende Geist der jiidischen Interpretation 
und Mystik muß Rembrandt angezogen haben; sein eigener, griiblerischer, 
tiiftelnder Sinn bewegte sich aus verwandten Bahnen. Die alchemisten- 
mäßigen Geheimnisse von Rembrandts Oalart treten hinzu und haben immer 
schon die Bett-achter vor die frage gestellt, ob seine Kunst diesen Künsten 
nicht nur analog sei, sondern ob er jene mystischen l()rahtil-ten am Ende selbst 
geübt habe, eine frage, auf die uns eine Antwort zu geben nicht möglich 
ist. I2iemands Geist scheint aber Rembrandt innerlich verwandter zu sein 
als dem Jakob Böhmes. Ss wäre mangels äußerer Zeugnisse vermelsen, 
zu behaupten, daß Rembrandt seine Schriften gelesen habe; aber versprengte 
Gedanken flogen bei der nahen I2achbarschast Deutschlands und Hollands, 
und zumal in den bewegten Zeiten des großen Rriegs, leicht umher, und wir 
wissen, daß Schriften von 13öhme seit den zwanziger Jahren bereits in 
Amsterdam nicht nur im deutschen Original, sondern auch in holländischer
        

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