Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rembrandt
Person:
Neumann, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868606
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4410425
Oessias bedeute, der das Reich der Juden zum Triumph führen werde. 
Das Oerkwürdigs"te ist aber das Arabeskenwerk der Untersuchung. Vor 
der Phantasie, die sich hier äußert, steht die Geschichte still und wird un- 
beweglich. In den Oessiasträumen des Judentums und des Islam sind die 
(3eschehnisse nur Wiederholungen und völlig gleichmäßige l2iederschläge 
der ewigen göttlichen Ratschlüsse. Alles geschieht und repetiert in fest- 
stehender T)-pik. Schon Abraham trägt die Züge des Oessias. Der Stein, 
auf dem Jakobs Haupt ruhte, da er im Traum die SngelSleiter sah, der 
Stein, mit dem David den Riesen Goliath tötete, endlich der Stein der 
Danielischen Vision: es ist immer derselbe. für den, der den Schlüssel der 
wahren Deutung besitzt, verschwindet der bunte Wechsel des Geschehens, ver- 
schwindet die Zeit. In allem wird der Finger Gottes sichtbar, der wie 
der Zeiger einer stehengebliebenen Uhr immer nur nach einer Richtung weist. 
für die Illustration dieses Buches hat Rembrandt vier Kupfer ge- 
liefert (vergl. o. S. 399). Sr muß mit dem Oann befreundet gewesen 
sein; sie wohnten in einer Straße; schon 1636, also fast zwanzig Jahre vor 
dem Srscheinen der piedra gs0riosa hat Rembrandt das Porträt des da- 
mals 32jährigen Oanasfe radiert (B 269), ein Gesicht von etwas ver- 
schwommenen Formen. Die Augenlider sind gequollen, wodurch der Blick 
einen unkritisch-freundlichen Ausdruck erhält. 
Was uns an dem jüdischen Wesen der Amsterdamer Gemeinde des 
sieben3ehnten Jahrhunderts am fremdartigsten berührt, war sicher für jene 
Zeiten, und nicht am wenigsten für Rembrandt, das Interessante, ja An- 
3iehende. Gegen die haarspaltende Rasuistik und die dürre Verstandes- 
rabulistik in der Auslegung des Gesetzes, wie sie dem calmudstudium eigen 
war, hatte längst das jüdische Gefühls- und E)hantasieleben reagiert und in 
der mystischen Auslegung der Schrift sich ein Werkzeug geschaffen, aben- 
teuerliche religionsphi1osophische Spekulationen und Träume mit dem An- 
sehen geheiligter Autorität zu bekleiden. Dahinein wurden im Oittelalter 
versprengte Reste gnostischer und neuplatonischer Mystik gearbeitet, Lehren von 
der stufenweise sich vollziehenden Smanation der Gottheit, den Beziehungen 
S54
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.