Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rembrandt
Person:
Neumann, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868606
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4409886
und reich gekleidet. Tlas stellt dieses Stück vor? Vosmaer fand die Köpfe 
admirables de vie et d"expression, und auch neueste Beurteiler haben den 
Ausdruck karakteristisch und sesselnd gefunden. Indessen scheint mir, daß 
man, um einen Ausdruck searakteristisoh zu finden, genau wissen muß, was 
ausgedrückt wird; in diesem Fall ist aber die c1nhlarheit an der äußersten 
Grenze, und die Meinungen sind geteilt, ob die zwei personen in einem 
väterlich-kindlichen, bräutlichen oder sonst einem Verhältniß stehen. Sin 
zweiter schwerer Fehler der Beurteiler ist, daß sie vergessen, die hier vor- 
kommenden Gebärden im Zusammenhang der Gebärdensprache in Rembrandts 
Alterswerken zu betrachten. Mir werden noch weiter davon zu sprechen 
haben, und wollen hier nur soviel bemerken, daß alles, was nach dramatischer 
sE)ointierung verlangte, und worin der Künstler in der Jugend bis zum Aeußer- 
sten geht, in den Spätwerhen abgestumpft und bewußt abgespannt ist. Sine 
statuarisohe Vereinzelung und Versteinerung kommt jetzt über die Figuren. (Man 
sehe etwa die Samariterin der Radierung B 7o oder die thronende Ssther aus 
dem Gemälde des Königs von Rumänien.) Die Handlung scheint nach außen 
einzufrieren. Geht man von dieser "chatsakhe aus, und stellt man fest, daß 
dies zwei personen des Amsterdamer Gemäldes in Physiognomie und Ge- 
bärde das Gegenteil von ausdrud-isvoll sind, so wird man das vorhandene 
Minimum von Handlung nur als Anregung und sozusagen An3ahlung 
betrachten müssen , da Rembrandt seinen Ausdruck jetzt mit ganz 
anderen Mitteln als denen der physiognomischen Karahteristih bestreitet. 
Und da scheint es mir zweifellos, daß die Bewegung des Mannes nur 
zu einer erotischen Darstellung paßt. Ss wird also doch die früher 
geäußerte Vermutung Recht behalten, daß eine Szene aus der biblischen 
Sr3ählung von der Vergewaltigung der chamar gemeint sei (2. Sam.13)-s), 
-E) Viele Benennung ilt in einem sonst wenig brauä)ba1-en und pbrasen1-eicben Huflatz 
von c(1o1tmann vo1-gelcblagen worden, Eos vier Jahrhunderten nieder1ändil-L)-deutscher Rank- 
gelcbiÖte (1878) S. 144. Zur Vergleichung sit notwendig die prachtvolle, dem lJaln-nan zu- 
gelcb1-iebene Radien-ung B 78 beizuzieben, wo freilich alles im Ausdruck viel eh-aiti1cbe7 ge- 
geben ist (bei Rot-inSki, 6läves de Rernbrandt pl. 150). 
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