Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rembrandt
Person:
Neumann, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868606
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4409222
schreiben möchte, mag oft in Zweifel geraten, was Regel und was Aus- 
nahme ist  ; daß daneben mit Vorliebe und von der früh3eit des Künstlers 
an die Wirkung starker, von der Hutkrempe verursachter Schatten über die 
obere 6esichtshälfte versucht wird ; meist aber wird späterhin irgend ein 
Kostümteil in der 12ähe des 6esichtes, die Mütze auf dem Kopf oder der 
Kragen oder ein Aerme1 mit ftärkerem Licht und reicherer Farbe ausgestattet. 
Sin weis5es Halstuch pflegt das Hauptlicht zu sangen; auf den späten Selbst- 
bildnissen kehrt fast regelmässig die das kahl gewordene Haupt deckende Mütze 
wieder, die unmittelbar über der Stirn einen grellweisZen, zitronengelben oder 
roten Streifen, immer in starker Belichtung, zeigt. Der schöne Homer von 
Dr. Bredius (Haag) hat auf seinem 3itronengelben Mantel Farben- und Licht- 
ak3ent vereinigt; der Aschasfenburger Christus hat einen leuchtenden weis?-en 
Mantel. Sin starker 1Tichtkontrast an beliebiger Stelle dient gern dazu, 
Halbtöne und Modellierung an den geistigen Hauptstellen ausdruckSvoller 
zur Wirkung zu bringen. Dies ist der einfache Grund, weßhalb die Radierbl"a"tter 
B 282 und 283 an dem Schreibmeifter coppenol Hände und Sehr-eibpapier weis 
zeigen oder ihn auf dem anderen Blatt ein stärkst beleuchtetes papier in den 
Händen halten lassen (Abb. l2r.122). Bei all diesem Verfahren ist der Gedanke 
des Künstlers durchsichtig. Das Antlitz mit seinem seelischen Ausdruck ist geistig 
Mittelpunkt genug, um keiner weiteren Verstärkung zu bedürfen; vielmehr wird 
gegen die 6ravitation dieses Schwerpunkts eine dekorative Gegenwirkung an- 
gestrebt. Hieraus entsteht statt praller, zusammenstoBartiger Konzentration der 
Mittel ein rhythmisch gegliederter Vortrag, und zweifellos beruht darauf die 
ruhigere, weniger aggressive und absiohtliche Erscheinung so vieler Spätwerke. 
Das Beste von den Srrungensrhaften der Spätzeit, Verteilung der Ak- 
3ente, Wendung zum Sinfachen und deshalb 6ewährenlassen über1ieferter 
formen, findet lich auf einem Werk vom Anfang der sechsziger Jahre mit der 
ganzen Summe von Fähigkeiten vereinigt, die aus einer unerschöpflichen 
Begabung und unermiidlicher Kunstarbeit zusammengewachsen sind, mit der 
Macht der illusionistischen Vergegenwärtigung und psychologischem ciefblick. 
Dieses Werk ist das Regentenstück der cuchmacher, der St-ialmeesters, wie 
454
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.