Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rembrandt
Person:
Neumann, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-868606
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4408762
lassen. Das eine ist die Berücksichtigung zeitüblicher Gewöhnung und En- 
standsanschauung. Wenn die italienischen Damen Bandello und Boccaccio 
ertrugen, so war man in Holland nicht prüder; die Freiheit der Sitte und die 
Roheit war gross, und vielleicht scheint manchem die Derbheit bei 0stade und 
Jan Steen sogar genieszbarer als die Demimonde der Maler der Gesellschaft. 
Tlnflätereien und laszive Darstellungen haben sogar Justiz und öffentliche 
Meinung genötigt, sich mit den Künstlern zu beschäftigen (Fall des corren- 
tius und Romein de k3ooge, des ,,zweiten Z-Iretin"), und besorgte Väter 
haben wohl kunstbegabte Söhne ungern Maler werden lassen, weil sie die 
Zuchtlosigkeit dieser Kreise fürchteten. Daher denn Houbraken in seiner 
Kunstgeschichte gern Hnlasz nimmt, zur C:-Ihre des Standes den Künstlern 
Moral zu predigen, dasZ sie sich der ,,keuschen Nymphen des Ik)arnasz" 
würdig zeigen möchten. 
Der andere Punkt betrifft die Frage, wie weit freie Darstellungen einen 
Riickschlusz auf das persönliche TIesen des Künstlers gestatten, und, so vor- 
sichtig man mit diesem Schritt von der Kunst zum Leben im allgemeinen 
sein muß, hier scheint der Zusammenhang nicht abzuweisen. Die Herger- 
nisse, die Rembrandt in seinem Haus gab, seit Saskia gestorben war, und 
von denen früher kurz die Sprache war, deuten nach dieser Richtung. Den 
gleichen vier3iger Jahren gehören mehrere der Radierblätter mit obsc"o"nen 
Darstellungen an; unter den Mappen seiner groben Kupserstichsammlung 
kommt eine mit suj(-Its 1ibt-es vor, welche italienische Blätter von Raphael, 
Rosso, Hannibal carracci und Bonasone enthielt-"). es ist beliebt, über 
solche Dinge abzusprechen oder  was ärger ist  Künstlern mildernde 
Umstände in Moralibus zuzubilligen. Srfahrene psychologiscbe Beobachter 
möchten der Meinung sein, das bei starken und mächtigen Naturen ebenso 
häufig sexuelle Tlnempfindlichkeit zu finden sei wie das Gegenteil. Die 
einen gehen unberührt wie der Salamander der Fabel durch das Feuer, die 
V) Gegen Bann. can-acci, Man: Anton und 6iulio R(-mano hat I3oubraken (lll 259 f.) 
wegen ihrer freien l)ai-ite11ungen einen IIngriff gerichtet, den er lich aus Flor-ent le Conne- 
cabi11et des singularjtez angeeignet bat. 
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